VI. Heimat- und Ortsgeschichte.

Auf Grund der städtischen Seelenbücher hat in mühseliger Arbeit E. O. Kossmann das alte deutsche Lodz <S. 84, Nr. 1574> nach Beginn der Tuchmacher- und Webersiedlung, seine Aufteilung auf die einzelnen Stadtteile, das Anwachsen der Gesamtzahl und den späteren Rückgang des z. T. katholischen Deutschtums nach Aufkommen der Maschinen und durch Unterwanderung durch Juden und Polen aufschlußreich dargestellt. -- Ein sehr stattliches Werk über die alte Stadt Plotzke an der Weichsel, in der schon 1231 deutsche und polnische Einwohner erwähnt werden, hat Erzbischof A. J. Nowowiejski in polnischer Sprache < 15> herausgebracht, in dem die Geschichte des Plotzker Sprengels, seiner Kathedrale und sämtlicher bestehender oder verschwundener Kirchen im Vordergrund steht, aber doch auch allerlei Nachrichten über deutsche Einwohner und die südpreußische Zeit gebracht werden, vgl. Z. 31, 272 ff. -- Die neueste Veröffentlichung von W. Schober < 16> enthält das Bürgerbuch von Schlichtingsheim 1799--1851 und ein Verzeichnis der Fraustädter Studenten 1400--1800 nach dem Muster für andere Posener Städte, wobei alle erreichbaren Nachrichten auch für den ersten Teil zusammengetragen werden, so daß das Heft auch für die Sippenforschung wertvoll ist. -- Grundlegend ist das schöne Buch von Ph. Rudolf über die Geschichte der kleinen Weichselstadt Schulitz und der umliegenden »Holländer«dörfer <S. 17, Nr. 235>, weil es neben den sonst üblichen Quellen, darunter auch den Schulzenladen, erstmalig in großem Maßstabe die katholischen Kirchenbücher von 1664--1772 ausgewertet hat, in denen damals die deutsch-evangelischen


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Eintragungen ein erdrückendes Übergewicht hatten. Beim Einmarsch der Preußen gab es dort 1772_81 Prozent deutsch-evangelische Einwohner, dann folgte ein rascher Aufschwung als Holzumschlag- und -bearbeitungsort, nach 1919 ein Rückschlag, vgl. Z. 31, 263 f. -- Ebenso ist auch der Aufsatz von K. Skonietzki zur Geschichte Brombergs im 18. Jh. <S. 51, Nr. 898> hauptsächlich auf die katholischen Kirchenbücher aufgebaut und gibt so neue Aufschlüsse über trotz der früheren Behauptung von A. Warschauer vorhandenes evangelisches und katholisches Deutschtum am Ort in der Vorteilungszeit. -- E. Klinkowski bringt Auszüge aus den »Monatlichen Zeitungsberichten« der Staatsbehörden zur Lokalgeschichte der Grenzmark in südpreußischer Zeit < 17>, u. z. für die Jahre 1795--97 und 1800--05. -- Die Entwicklung von Stadt und evangelisch-lutherischem Kirchspiel Zagórów im Kalischer Lande schildert P. E. Kneifel < 18> in einem Zeitweiseraufsatz. -- Über eine der jungen deutschen Sprachinseln in Galizien, das unter Joseph dem Deutschen meist von pfälzischen Siedlern begründete Dornfeld mit sechs deutschen Nachbardörfern hat der dort lange tätig gewesene Pastor Dr. F. Seefeldt eine vorbildliche Veröffentlichung zur 150-Jahrfeier herausgebracht < 19>, im Anhang auch wertvollen Quellenstoff, vgl. Z. 31, 278 f. -- Bei dem Buch von Z. Jaślar < 21> über die aus dem 14. Jh. stammende, wie ziemlich das gesamte »Taubendeutschtum« in Galizien, später verpolte Siedlung Hanshau = Haczów haben wir den seltenen Fall, daß schon ein Gymnasiast eine solche Leistung vollbracht hat, selber Abkömmling dieser ma.'lichen deutschen Siedler (= Jaslo-er). Nur von Schweden ist dort keine Rede, ebenso von Polen gleich zu Anfang der Siedlung, vgl. Z. 31, 278. -- Von Lehrer A. Gajda stammt eine weitere polnische Monographie der im kongreßpolnischen Kreis Koło liegenden kleinen Stadt Sompolno < 20> mit einem Zusatz über Lubstów und Umgegend, wobei die Angaben über das Deutschtum der Gegend vom deutschen Forscher A. Breyer beigesteuert sind, vgl. Z. 33.


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