§ 25. Vom Umsturz zur nationalsozialistischen Revolution. 1918--1933

(H. Volz)

I. Zur deutschen Geschichte der Nachkriegszeit.

Die in den beiden Berichtsjahren 1933/34 erschienenen Bände der drei Geschichtskalender von Schultheß, Egelhaaf und Wippermann < 1927--1929> umfassen die Jahre 1932 und 1933. Ist ihnen allen auch die Tatsache gemeinsam, daß sie sowohl die deutsche Geschichte als auch die Geschichte sämtlicher übrigen europäischen wie der wichtigeren außereuropäischen Staaten behandeln, so unterscheiden sie sich doch im einzelnen wesentlich voneinander. Egelhaafs Werk (bearb. von Friedrich Neubauer) gliedert den in zusammenhängender und fortlaufender Darstellung gebotenen Stoff in drei große Gruppen: I. Die internationale Politik (einschl. der deutschen Außenpolitik), II. Deutschlands Innenpolitik (einschl. der Länder, die aber bereits im Jahrg. 1933 fortfallen), III. Das Ausland. Zur Anlage dieses Buches ist jedoch zu bemerken, daß ein festes System in der Aufeinanderfolge der einzelnen Fremdstaaten fehlt; denn in jedem Bande wechselt die Anordnung in wesentlichen Punkten. Wenn der Verfasser als Aufgabe seines unter besonderer Betonung der Wirtschaftsfragen verfaßten Werkes eine »sachliche, klar geordnete, das Wesentliche heraushebende Berichterstattung« (1932, S. 4) hinstellt, so ist dieses Ziel durchaus nicht immer erreicht. Einmal ist die Zusammenstellung des öfteren sachlich (z. B. in Daten) nicht fehlerfrei. Häufig gibt er auch nur das Monats- ohne genaues Tagesdatum an. Weit schwerwiegender aber ist der Umstand, daß der Verfasser die notwendige Unparteilichkeit vermissen läßt, indem er die Ereignisse des Jahres 1932 in durchaus tendenziöser Weise vom Standpunkt der bürgerlichen Parteien in deutlichem Gegensatz zur NSDAP schildert (vgl. z. B. S. 80 ff. die Reichspräsidentenwahlen, S. 92 f. das SA-Verbot; S. 97 ist Görings entscheidende Rede gegen Groener überhaupt nicht erwähnt; einseitig dargestellt ist


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S. 99 die Klotzaffäre, S. 128 f. die Verhandlung vom 13. August 1932, S. 128 f. der Fall Potempa-Beuthen, S. 166 f. die Novemberverhandlung und Schleichers Einladung an Hitler, S. 168 der Strasserkonflikt usw.). Dieser einseitigen Haltung begegnen wir aber nicht nur im Jahrg. 1932, dessen Vorwort erst im April 1933 unterzeichnet ist, sondern auch noch an verschiedenen Stellen des Jahrg. 1933 (Vorwort vom April 1934), wo sich der Verfasser mehrfach in ausgesprochenen Gegensatz zur Auffassung der NSDAP stellt (z. B. S. 102 und 113 »Gewalttätigkeiten«, S. 103. Beurteilung von Jarres, S. 112 f. offenes Bekenntnis zum Liberalismus, S. 122. Eintreten für das Judentum). Indem er des öfteren politische Betrachtungen anstellt und Werturteile fällt, überschreitet er die Aufgabe der Jahresübersicht, die in rein sachlicher Form über die Ereignisse berichten soll. Wippermanns Geschichtskalender (bearb. von Friedrich Purlitz und Sigfrid H. Steinberg) zerfällt in zwei Teile. Die Abteilung B behandelt den Völkerbund (einschl. der Unterabt.: Reparationsfragen, Abrüstung, Weltwirtschaftskonferenz) und daran anschließend die Fremdstaaten, während Abteilung A der Geschichte Deutschlands, Danzigs und Österreichs vorbehalten ist. Die deutsche Geschichte ist nach folgenden Gesichtspunkten aufgeteilt: Das Deutsche Reich (Reichsregierung, -rat, -tag), Die deutschen Länder (Preußen in der Gliederung: Staatsregierung, -rat, Landtag) (auch für das Jahr 1933 sind hier die Länder noch beibehalten), Parteibewegung. Führt dieses starre Schema schon an sich zu willkürlichen Zerreißungen, so ist das Werk aber dadurch noch unübersichtlicher geworden, daß es in Vierteljahresheften erscheint, also jeder Unterabschnitt dementsprechend an vier verschiedenen Stellen vorhanden ist. Diesen sehr empfindlichen Mangel vermag das Register nur teilweise auszugleichen. Mit Verweisungen hat der Verfasser allzu sehr gespart. Im Gegensatz zu Egelhaaf sind hier die Ereignisse nicht in fortlaufender Darstellung wiedergegeben, sondern die Geschehnisse der einzelnen Tage in chronologischer Folge in den verschiedenen Unterabschnitten aufgeführt. Sachlich ist das Werk durch den wörtlichen Abdruck vieler Dokumente, Reden usw. bedeutsam. Aber auch dieses Buch ist nicht vom Standpunkt der NSDAP aus geschrieben und besonders bei Ereignissen der Parteigeschichte unvollständig. Völlig fehlt Hitlers Kölner Besprechung mit Papen vom 4. Januar 1933 und der entscheidende Berliner SA-Aufmarsch vom 22. Januar 1933. Ganz schief und unzutreffend ist die Darstellung vom 13. August 1932 und vom Beuthener Urteil (1932, S. 176 f.). Selbst bei dem Jahrg. 1933 hat sich der Verfasser noch nicht veranlaßt gesehen, die hinter allen bürgerlichen und vor den marxistischen Parteien eingeordnete NSDAP an die erste Stelle zu setzen. Merkwürdig berührt auch die oft begegnende Unterscheidung zwischen dem »Reichskanzler« und »Parteiführer« Adolf Hitler. Schultheß' Geschichtskalender (bearb. von Ulrich Thürauf), der sich durch seine Übersichtlichkeit und Unparteilichkeit gegenüber den anderen beiden Werken besonders vorteilhaft auszeichnet, behandelt nacheinander, mit Deutschland, Danzig und Österreich angefangen, die einzelnen Staaten. Daran schließt er dann die allgemeinen Kapitel: Liquidation des Weltkrieges (Reparationen usw.), Völkerbund (einschl. Abrüstung), Londoner Weltwirtschaftskonferenz, Viermächtepakt, Internationale Kongresse. Die einzelnen Ereignisse sind auch hier kalendermäßig in chronologischer Folge aneinandergereiht.

Mit der Geschichte des Zwischenreiches und den Anfängen des Dritten Reiches


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beschäftigt sich eine Fülle von Werken. An erster Stelle ist die ausgezeichnete, durchaus vom deutschen Standpunkt aus geschriebene Darstellung des deutschschweizer Historikers Hermann Stegemann: »Weltwende« < 284> zu nennen, die sich nicht allein auf die Aufzählung der Einzelereignisse beschränkt, sondern die tieferen geschichtlichen Zusammenhänge aufzudecken sucht und auch vielfach die historische Entwicklung wichtiger Einzelprobleme durch die Jahrhunderte verfolgt (z. B. Reichsreform, Saarfrage). Ferner behandelt der Verfasser die deutsche Geschichte nicht losgelöst von der übrigen Welt; vielmehr stellt er sie in den Rahmen der europäischen Gesamtgeschichte hinein. Wenn das Buch auch den ganzen Zeitraum vom Ende des Weltkrieges bis zum Erlaß des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches (30. Januar 1934) umfaßt, so liegt doch der Schwerpunkt der Darstellung auf dem Jahre 1933, dessen Behandlung rund die Hälfte des Werkes füllt. Leider vermißt man hier -- wie übrigens auch in allen anderen Werken -- ein Personenregister, das die Benutzbarkeit des wertvollen Buches noch erhöht hätte. Eine wenig erfreuliche Erscheinung ist die stark journalistisch gehaltene »Deutsche Geschichte 1918 bis 1933« von Gerhard Schultze-Pfaelzer < 1936>, die bereits mit dem Herbst 1918 einsetzt und bis zur Volksabstimmung von 12. November 1933 führt, ohne auf die außerdeutsche Geschichte und die inneren Zusammenhänge der Ereignisse näher einzugehen. Hatte der Verfasser, der angeblich im Dezember 1931 in die NSDAP und SA eingetreten sein will, noch kurz vor der Machtübernahme in übelster Weise gegen den Nationalsozialismus gehetzt (»Deutschland ganz neu.« -- Berlin 1933), so kann er sich jetzt in der Verherrlichung Hitlers und der Bewegung nicht genug tun, um hinter diesen tönenden Phrasen seine höchst zweifelhafte politische Vergangenheit zu verbergen (vgl. auch unten S. 380). Während der Verfasser in seiner Hindenburg- Biographie von 1930 (»Hindenburg. Drei Zeitalter Deutscher Nation«) Hitler als »politischen Piraten« (S. 312) bezeichnete, ist dieser jetzt »der blicksichere Kenner des Operationsgeländes« (S. 236), »der deutsche Herzenswecker« (S. 372) usw. Schultze-Pfaelzers Buch ist ein Erzeugnis übelster politischer Gesinnungslosigkeit. Durchaus populär und oberflächlich ist Friedrich Avemaries Buch: »Deutschlands Ringen um Ehre und Freiheit« < 1933>, das wissenschaftlichen Ansprüchen in keiner Weise genügen kann. Es behandelt die Zeit vom Kriegsbeginn bis zum 1. Mai 1933. Ganz unzureichend ist die Geschichte der NSDAP von 1920 bis 1933 auf nur 10 Seiten dargestellt, von denen allein 3½ Seiten auf eine ausführliche Biographie Horst Wessels entfallen. Ungenügende Kenntnisse werden häufig durch allgemeine Redensarten ersetzt. Wenn auch nicht immer ganz fehlerfrei, so doch wissenschaftlich viel zuverlässiger ist der Abriß Wilhelm von Kloebers < 1934> über die deutsche Innen- und Außenpolitik vom Weltkrieg bis Mitte Juli 1933; die Einleitung gibt einen kurzen Überblick über die Zeit von 1871 bis 1914. Auch hier ist die Geschichte der Bewegung nur ganz knapp behandelt. Viel mehr Einzelheiten als Kloeber bietet Hermann Ullmanns Buch: »Durchbruch zur Nation« < 1935>, das unter bewußtem Verzicht auf die Darstellung der Novemberrevolte erst mit dem Diktat von Versailles einsetzt und bis zur Machtübernahme Adolf Hitlers (30. Januar 1933) führt. Sehr brauchbar ist die den gleichen Zeitraum umspannende, teilweise mit wörtlichen Zitaten durchsetzte Zeittafel. Dagegen ist es ein Nachteil dieses sonst recht guten Buches, daß

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der Werdegang der NSDAP kaum berücksichtigt ist, während der Verfasser, einer der Gründer der »Konservativen Volkspartei« (23. Juli 1930) (vgl. seine Kritik an der Deutschnationalen Volkspartei, S. 273--275), den anderen Parteien einen ziemlich breiten Raum gewährt. Das von Hans Henning Freiherr Grote herausgegebene, mit reichem Bildmaterial ausgestattete Sammelwerk: »Deutschlands Erwachen« < 2018> umfaßt ebenfalls die Zeit von 1918 bis 1933. Aber hier ist nicht die Folge der Ereignisse in fortlaufender Darstellung und aus einer Feder wiedergegeben, sondern ein Dutzend Männer schildern -- teilweise aus eigenem Miterleben -- wichtige Einzelepochen der Nachkriegszeit wie etwa den Kampf um den deutschen Osten, den Ruhrkampf, die Separatistenkämpfe, das Schicksalsjahr 1932, den Werdegang der NSDAP, des »Stahlhelms« (unter besonderer Hervorhebung der Person des zweiten Bundesführers Duesterberg), des Arbeitsdienstes usw. Der Wert der einzelnen Aufsätze ist sehr unterschiedlich. Neben ausgezeichneten Beiträgen finden sich auch durchaus minderwertige; besonders dürftig geraten ist die Mehrzahl der z. T. recht journalistisch gehaltenen Darstellungen über die Bewegung, die genauere Sachkenntnis in hohem Grade vermissen lassen. Gegenüber den bisher besprochenen Werken umfaßt die Arbeit von Max Clauß: »Die deutsche Wende in Europa« < 283> einen sehr viel größeren Zeitraum, nämlich rund 120 Jahre (vom Wiener Kongreß bis zur Abstimmung vom 12. November 1933). Der Verfasser, der die deutsche Geschichte dieser Zeit nur in großen Zügen behandelt und infolgedessen auf Einzelheiten verzichtet, ist vor allem bemüht, die inneren Zusammenhänge des politischen Geschehens aufzudecken.

Eine Sonderstellung nimmt das Werk: »Der deutsche Freiheitskampf« aus der Feder des Grafen Ernst Reventlow < 2016> ein, der, seit dem Jahre 1927 Reichstagsabgeordneter der NSDAP, hier nicht nur als Historiker, sondern gleichzeitig auch als Politiker schreibt. Während er im ersten Teile seines Buches in übersichtlicher Darstellung und immer unter kurzem Rückblick auf die voraufgegangenen Jahre und die vorgefundenen Zustände die gewaltigen Leistungen des Dritten Reiches auf dem Gebiete der deutschen Innen- und Außenpolitik bis zum 14. Oktober 1933 schildert, verfolgt er im zweiten rückschauend »durch die Jahrzehnte (von Bismarcks Reichsgründung bis zum Weltkrieg) alle Quellen, die schließlich in die nationalsozialistische Bewegung als den großen Strom münden, der, mächtig angewachsen, das gesamte deutsche Leben zu durchdringen beginnt, es beherrscht und fruchtbar macht« (S. 8), um so aus der Vergangenheit heraus die künftigen Aufgaben des Dritten Reiches zu entwickeln und zu begründen. Außerdem hat Reventlow < 2015> im Jahre 1931 noch ein umfangreiches, 1933 in erweiterter dritter Auflage erschienenes Werk veröffentlicht (jetzt liegt es in sechster Auflage vor), in dem er die Geschichte der Bewegung »in der Verbundenheit mit dem deutschen Gesamtleben und in ihrem Gegensatz zu allen herrschenden Strömungen, Willensrichtungen und Auffassungen« (S. 6) in großen Zügen und, ohne auf Einzelheiten näher einzugehen, darstellt. Es umfaßt den Zeitraum vom Kriegsende bis zum 12. März 1933. Neben der Innenpolitik ist auch die Außenpolitik berücksichtigt.

Von der gleichen überaus kritischen und zum Teil sogar ablehnenden Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus, wie sie der Verfasser bereits ganz unverhüllt nach den Novemberwahlen 1932 zum Ausdruck gebracht hatte, ist


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der auch als selbständige Broschüre (»Auf dem Wege nach Weimar und von Weimar nach Potsdam« -- Verlag »Gelbe Hefte«, München 1933) erschienene Aufsatz des katholischen Würzburger Historikers und Herausgebers der historisch-politischen Zeitschrift: »Gelbe Hefte« Max Buchner getragen < 1958>. In seinen Ausführungen, die er in der Hauptsache in den Tagen der nationalsozialistischen Revolution (zwischen dem 6. und 13. März 1933) zu Papier brachte, gibt er in zwölf Kapiteln einen Überblick über den Zeitraum vom Beginn des deutschen Zusammenbruches (1917) bis zur Reichstagswahl vom 5. März 1933. Aus den Monaten, die der Novemberrevolte 1918 voraufgingen, weiß er manche wenig bekannte Einzelheit mitzuteilen. Von den Ereignissen der Nachkriegszeit berücksichtigt er besonders die politische Entwicklung Bayerns, die ihm als bayrischem Historiker und Politiker nahelag. Dabei ist aber sehr auffällig, wie ihm trotz der räumlichen Nähe, aus der er den Aufstieg Hitlers und der NSDAP mit eigenen Augen verfolgen konnte (1923 war er Privatdozent in München), das Verständnis für die nationalsozialistische Bewegung mangelt, für die er sich als Quelle auf den charakterlosen Schreiberling Erich Czech-Jochberg beruft (S. 486; im Sonderdruck: S. 76). Völlige Fehlurteile fällt er beispielsweise über die Erhebung vom 8./9. November 1923 (»Es war viel Unreifes in jener Tat«, S. 522 bzw. S. 86) oder über die Reichstagswahl vom 6. November 1932 (S. 553 f. bzw. S. 117 f.; vgl. dazu auch Buchners Aufsatz im gleichen Jahrg. der »Gelben Hefte« auf S. 149--155: »Das Fazit der Novemberwahlen«), während er auf der anderen Seite Männer wie etwa den ehemaligen Generalstaatskommissar von Kahr maßlos überschätzt. Die ganze Arbeit ist das Werk eines Mannes, der vom Boden seiner rückwärtsgewandten monarchistischen Einstellung keinerlei Verhältnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung finden konnte. Schärfstens abzulehnen ist das reich bebilderte Werk von Fritz Gervinus und Werner Wolf < 2014>, das trotz seines Titels: »Der Weg zum Nationalsozialismus« in seinen beiden ersten Kapiteln die deutsche Innen- und Außenpolitik vom Kriegsende bis zum Ausgang des Jahres 1931 noch ganz vom Standpunkt des »Systems« aus und mit deutlicher Frontstellung gegen die NSDAP behandelt (Kap. 3 ist der »sozialpolitischen Entwicklung« Deutschlands in jener Zeit gewidmet, in Kap. 4 ist die Weimarer Verfassung und das Reichswahlgesetz nebst drei Brüningschen Notverordnungen und statistischen Angaben über Reich und Länder abgedruckt). Männer wie Rathenau (S. 30 und 61), Ebert (S. 36--38) und Hermann Müller (S. 61 f.) werden stark hervorgehoben, besonders unterstrichen Brünings Erfolge und »Siege« (S. 56 f.), während auf der anderen Seite die Rede ist von »gegenseitiger Terrorisierung der Kommunisten, des Reichsbanners und der Nationalsozialisten, die Ordnung und Sicherheit zersetzten« (S. 49 und 54). Bezeichnend ist die Auffassung von der NSDAP, die in dem Satz zutage tritt: »Die Not der Zeit, die Hoffnungslosigkeit der ganzen Lage und die Verzweiflung der breiten Massen ließen ihr täglich neue Scharen zuströmen« (S. 51). Verschiedene Reden Fricks hatten nach dieser Darstellung »ausgesprochen provokatorischen Charakter« (S. 88), ebenso wie seine ersten Amtshandlunlungen als Thüringer Minister (1930) als »provokatorische Maßnahmen« erschienen (S. 45). Über die Ereignisse an der Feldherrnhalle lesen wir: »Vor der Feldherrnhalle wurden sie von der Reichswehr [!] angegriffen. Nach kurzem Kampf (es hatte 19 [!] Tote gegeben) mußten die Nationalsozialisten sich zurückziehen«

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(S. 34). Über die »Boxheimer Dokumente« vom November 1931 findet man hier eine Darstellung (S. 89--91), die sich in nichts von den seinerzeit in der gegnerischen Presse gebrachten verlogenen Mitteilungen unterscheidet. Vergeblich sucht man Horst Wessels Namen, während nationalsozialistische Notwehraktionen in aller Ausführlichkeit verzeichnet sind (z. B. S. 60). Jede auch noch so belanglose Kabinettsbildung in Reich und Preußen ist aufgenommen, dagegen fehlen völlig Angaben über die Geschichte der Bewegung, ihre Neugründung von 1925 usw. Die Illustration beschränkt sich hier auf Bilder von Systempolitikern und republikanischen Veranstaltungen. Bis das Manuskript in dieser Form gedruckt war, verging offenbar eine geraume Zeit. Inzwischen brachten aber der 30. Januar und 5. März 1933 eine grundlegende Änderung der Verhältnisse in Deutschland. Unter ihrem Eindruck entschloß man sich nun, -- wohl unter gleichzeitiger Titeländerung -- in einem weiteren (5.) Kapitel (»Die wichtigsten außen- und innenpolitischen Ereignisse der allerjüngsten Zeit« [bis zum 21. März 1933]) der Konjunktur Rechnung zu tragen. In diesem Abschnitt, in dem ohne jede sachliche Gliederung und Zusammenfassung die einzelnen Geschehnisse in rein chronologischer Folge wirr aufeinanderfolgen, hat sich die Einstellung der Verfasser gegenüber der NSDAP allerdings merklich geändert; denn ihr Programm ist mittlerweile, »von begeisterten und glänzenden Rednern verfochten, das Evangelium der Massen« geworden (S. 314) und Hitler der »Führer der größten Volksbewegung« (S. 251) (vgl. auch Bd. 2, S. 215 f.). Eine derartige Gesinnungslosigkeit richtet die Verfasser von selbst. -- Band 2 dieses Werkes, der von Ottokar Lorenz bearbeitet ist und unter dem Gedanken steht: »Die Überwindung des Marxismus durch den deutschen Sozialismus«, trägt einen völlig anderen Charakter. An erster Stelle (S. 7--214) sind hier Schriften von Wilhelm Weitling (1808--1871) und den Marxisten Lassalle, Marx und Engels sowie das »Kommunistische Manifest« abgedruckt, während im zweiten Teil (S. 221--357) die Arbeiterfrage (Deutsche Arbeitsfront) und Geldwirtschaft in vier Beiträgen von Dr. Robert Ley, Franz Hochstetter und Ottokar Lorenz vom nationalsozialistischen Standpunkt aus behandelt wird.

Eine gute Ergänzung zu allen diesen Darstellungen bildet der handliche »Atlas zur deutschen Geschichte der Jahre 1914 bis 1933« von Johann von Leers und Konrad Frenzel < 2407>. Kartographisch sind hier u. a. der Weltkrieg, die Grenzziehung, der Ruhrkampf, das Grenzlanddeutschtum, das Ergebnis der verschiedenen deutschen Wahlen behandelt; dazu treten noch Statistiken (z. B. Versailler Diktat), graphische Darstellungen (Judentum, Dawes- und Young-Plan, Arbeitslosigkeit usw.) und Zeittafeln (Deutschlands Einkreisung, Kriegsausbruch, Konferenzen).

Der abschließende dritte Band von George Soldans hervorragendem Werke: »Zeitgeschichte in Wort und Bild« < 2025; vgl. 1932, S. 275> behandelt zuverlässig und auf wissenschaftlicher Grundlage die deutsche Geschichte vom Ende des Jahres 1923 bis zum Tage der Machtübernahme durch Adolf Hitler. Während bis zur Annahme des Young-Planes (12. März 1930), also in der Hauptsache für die Zeit Stresemanns, die Darstellung, deren ganzer Schwerpunkt auf den außenpolitischen Geschehnissen ruht, ausführlicher gehalten ist, sind die Ereignisse der folgenden drei Jahre bis zum 30. Januar 1933 in einem abschließenden Kapitel nur skizzenhaft und in großen Zügen geschildert;


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denn »allzu nahe stehen wir noch den umwälzenden Ereignissen, und allzuwenig ist bisher der Schleier über tatsächliche Begebenheiten gelüftet worden, deren Kenntnis zum Verständnis und zur logischen Entwicklung der Zusammenhänge nötig wäre« (S. 550 f.). Auch diesem Bande ist wieder eine große Fülle von Abbildungen besonders aus dem Kampfe der Parteien und von Faksimiles wichtiger Dokumente, Wahlplakate usw. beigegeben.

Eine große 479 Nummern bzw. Nummerngruppen umfassende Dokumentensammlung zur deutschen Reichsgeschichte im Zeitraum von 1849 bis zum 30. Januar 1934 hat Johannes Hohlfeld veröffentlicht < 274>. Band 1 und 2 (1849--1926 [Deutschlands Völkerbundseintritt]), die erstmalig bereits im Jahre 1927 als Ergänzung zu Hohlfelds »Geschichte des Deutschen Reiches 1871 bis 1925« (2. Aufl., Leipzig 1926) erschienen waren <1927, S. 251>, sind nunmehr erneut aufgelegt und um zwei weitere, bis auf die jüngste Gegenwart fortgeführte Bände vermehrt (über deren 2. Aufl. s. u.). Mehr als die Hälfte der hier gesammelten Dokumente zur deutschen Innen- und Außenpolitik stammt aus der Nachkriegszeit, davon ein halbes Hundert aus dem ersten Jahr des Dritten Reiches. Was die Auswahl anlangt, so vermißt man u. a. das für den damaligen Reichspräsidenten Ebert vernichtende Magdeburger Urteil (23. Dezember 1924), während sich Hohlfeld an anderer Stelle (»Zwanzig Jahre deutsches Ringen« [s. u.], S. 144) über Ebert außerordentlich lobend ausläßt. Der »Dolchstoß«- Frage sind ganze drei Textzeilen (Bd. 2, S. 661) gewidmet. Eine Reihe wichtiger Dokumente zur Geschichte der NSDAP sind überhaupt nicht aufgenommen. So ist der Hitlerprozeß (1924), die Neugründung der Partei (27. Februar 1925), die parteiamtliche Auslegung des Punktes 17 des Parteiprogramms (Bd. 2, S. 790--793), die parteiamtliche Kundgebung über die Stellung der NSDAP zum Landvolk und zur Landwirtschaft (6. März 1930) und manches andere hier ganz übergangen. Eine empfindliche Lücke klafft ferner im Jahre 1932 zwischen dem 12. April und 4. Juni; so ist sowohl das SA-Verbot (13. April) (das Band 3, S. 320 in der Überschrift irrigerweise genannt ist) samt seiner Aufhebung (14. Juni) wie auch Görings Auseinandersetzung mit Reichswehrminister Groener im Reichstag (10. Mai) völlig vergessen. Gelegentlich hat allerdings der Herausgeber, der sich 1926 in gehässigster Weise über die Bewegung und ihren Führer, den »zugewanderten österreichischen Demagogen Adolf Hitler«, ausgelassen hatte (Geschichte usw., S. 750 f.), seine Stellungnahme den durch Hitlers Machtübernahme veränderten politischen Verhältnissen angepaßt. Während in Band 2 (S. 819--821) der 1. Auflage der »Hitlerputsch«, den er 1926 als »politisch geradezu kindlichen Putsch des einstigen Feldherrn« Ludendorff bezeichnet hatte (Geschichte usw., S. 752), nur mit einer Erklärung und einem Aufrufe des Generalstaatskommissars von Kahr sowie einem Aufruf des bayrischen Kronprinzen Rupprecht vertreten war, so wurde in der 2. Auflage das letzte Stück durch Hitlers Rede im Bürgerbräukeller vom 8. November 1923 ersetzt. Dabei ist jedoch vergessen worden, das Inhaltsverzeichnis (S. XI), das noch die »vornationalsozialistische« Fassung aufweist, entsprechend zu korrigieren. Methodisch ist ein schwerer Fehler festzustellen. Während es für den Herausgeber einer wissenschaftlichen Dokumentensammlung eigentlich selbstverständlich sein sollte, stets auf die ursprüngliche Quelle zurückzugehen, benutzt Hohlfeld vielfach rein sekundäre Zusammenstellungen wie Wippermanns »Deutschen Geschichtsblätter« (vgl. oben S. 366). Reichstagsreden gibt er nach


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Zeitungsberichten oder aus den »Europäischen Gesprächen« (Bd. 3, S. 301 bis 303) wieder, aber nicht nach dem amtlichen Stenogramm. Die Mitteilung über Hitlers Ernennung zum Reichskanzler (Bd. 4, S. 567 f.) und mehrere von dessen Reden (Bd. 4, S. 605, 619, 657, 659, 753) druckt er anstatt nach dem amtlichen nationalsozialistischen Parteiorgan, dem »Völkischen Beobachter«, aus der »Kölnischen Zeitung« ab. Als Quelle für den Wortlaut des preußischen Staatsratsgesetzes (1933) nennt er Bd. 4, S. 661 (in der Überschrift muß es 31. Juli 1933 heißen) an Stelle der amtlichen Gesetzsammlung eine Schrift von Ernst- Ewald Kunckel usw. Die Folge davon ist eine vielfach unzuverlässige Textwiedergabe. So muß es beispielsweise in dem Aufruf des Generalstaatskommissars von Kahr vom 9. November 1923 (Bd. 3, S. 820) nach dem Faksimile des Originals -- abgesehen von kleineren Fehlern -- heißen: »abgepreßten« (statt »erpreßten«), »nat.-soz. deutschen Arbeiterpartei«, »Reichs kriegsflagge«, »Freiheit« (statt »Einheit«). Ferner fehlt in der Datumszeile: »Ausgegeben 7¼ Uhr morgens«, in der Unterschrift: »Der Generalstaatskommissar Dr.« usw. Besonders übel ist es aber, wenn Hohlfeld den Wortlaut der am 11. März 1933 in Essen gehaltenen Rede des damaligen preußischen Innenministers Göring einem der schlimmsten Erzeugnisse der Greuelhetze entnimmt, nämlich der Schrift von Thomas Murner (Pseudonym für: Pater Zyrillus Fischer): »Tagebuch der nationalen Revolution« (Wien 1933) (Band 4, S. 596 f.). Nach der technischen Seite hätte die Edition durch Seitenüberschriften nebst Jahreszahlen und Nummernangabe viel übersichtlicher gestaltet werden können. Von Band 3 und 4 ist noch im Jahre 1934 eine zweite Auflage erschienen (mit den Untertiteln: »Der Ausgang der liberalen Epoche 1926--1931« und »Die nationalsozialistische Revolution 1931--1934«), und zwar als »Sonderausgabe für den Gebrauch der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden sowie für Schulen und Bibliotheken« (Vertrieb amtlicher Veröffentlichungen GmbH., Berlin 1934). Inhaltlich sind die beiden Bände jedoch völlig unverändert geblieben, lediglich ist an die Spitze von Band 3 (S. XI--XXVI) die von Hitler anläßlich der Neugründung der NSDAP gehaltene programmatische Rede vom 27. Februar 1925 gestellt.

Hohlfeld, der noch im Herbst des Jahres 1932 im staatsparteilichen Lager stand, hat, der Konjunktur der nationalsozialistischen Revolution Rechnung tragend, die er »mit heißem Herzen miterlebte« (Bd. 3, S. V), in dem unter dem Pseudonym: 'Johann von Reichenbrand' erschienenen Werke: »Zwanzig Jahre deutsches Ringen« < 1932> eine deutsche Geschichte von 1914 bis 1933 geschrieben. Hier erfährt indessen die NSDAP eine wesentlich andere Beurteilung als in seiner »Geschichte des Deutschen Reiches« (1926), wo er ihr »eine rein negative, ätzende Kritik alles Bestehenden, einen gedankenarmen Antisemitismus« vorwarf (S. 751). Jetzt ist aus dem »zugewanderten österreichischen Demagogen Adolf Hitler« der »geschichtlich berufene Führer des neuen Deutschlands« (S. 244) geworden. Wenn Hohlfeld in der Einleitung (S. VII) den Geschichtsschreiber »einen rückwärts gewendeten Propheten« nennt, so kann das aber keinesfalls bedeuten, daß die Beurteilung historischer Ereignisse wie hier von Konjunkturgesichtspunkten aus erfolgen darf.

Von den vier Werken, die die Novemberrevolte von 1918 zum Gegenstande haben, sind die zwei Bücher aus der Feder von Hans von Kessel < 1950> und Walter Freiherrn von Lüttwitz < 1949>, die beide den Zeitraum


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vom November 1918 bis zum Ende des Kapp-Putsches (März 1920) schildern, Augenzeugenberichte und stellen vor allem die militärischen Maßnahmen der damaligen Epoche in den Vordergrund. Kessel, dessen Ausführungen nur die Vorgänge in Berlin behandeln, war als Adjutant des Obersten Wilhelm Reinhard besonders bei der Aufstellung von dessen Freiwilligen-Regiment beteiligt, das sich im Winter 1918/19 in hervorragendem Maße um die Befreiung der Reichshauptstadt vom roten Terror verdient gemacht hat. Daher bildet Kessels Buch eine wertvolle Ergänzung zu Reinhards eigenen Erinnerungen: »1918/19. Die Wehen der Republik« <1932, S. 275>. Da Kessel ferner als Polizeioffizier den Kapp-Putsch in der Reichskanzlei aus nächster Nähe miterlebt hat, vermag er auch hier wichtige Aufschlüsse über den Verlauf dieses Unternehmens und die Gründe für seinen raschen Zusammenbruch zu vermitteln. Eine Zeittafel erleichtert die Übersicht. Das schon vor Hitlers Machtübernahme verfaßte, aber erst im Jahre 1934 erschienene Buch des Generals von Lüttwitz (ursprünglich Kommandeur des 3. Armeekorps, später Gründer des »Freikorps Lüttwitz«, zeitweise Oberkommandierender des gesamten deutschen Heeres) geht weniger auf Einzelheiten ein, berücksichtigt aber in kurzen Zügen auch die militärischen Vorgänge außerhalb Berlins und stellt hinsichtlich des Kapp-Putsches, an dem Lüttwitz maßgebend beteiligt war, eine Rechtfertigung des Verfassers für seine damaligen Maßnahmen dar. Ganz anders geartet sind die Bücher von Gottfried Zarnow < 1952> und Harald von Koenigswald < 1951>; denn hier handelt es sich um eine rein aktenmäßige Darstellung bzw. eine Urkundensammlung, die in beiden Fällen von einer an den Ereignissen völlig unbeteiligten Person bearbeitet ist. Aber während der besonders als Verfasser des zweibändigen Werkes: »Gefesselte Justiz« (1930/32) bekannt gewordene Schriftsteller Zarnow (Pseudonym für: M. E. Moritz) unter Abdruck zahlreicher, zum Teil völlig unbekannter Dokumente besonders die Vorgeschichte des Novemberaufstandes von der Matrosenrevolte (1917) über den Munitionsarbeiterstreik (Januar 1918) bis zu seinem Ausbruche am 9. November 1918 und dann nur noch die ersten Revolutionstage mit großer Sachkenntnis und unter Heranziehung der gesamten einschlägigen Literatur behandelt, ist Koenigswalds Werk eine reine Urkundenpublikation, die sich, abgesehen von einem einführenden Abschnitt über »die vorrevolutionäre Bewegung 1916/18«, in der Hauptsache bloß auf die Berliner Geschehnisse vom November 1918 bis Mitte Januar 1919 erstreckt. Der Herausgeber hat auf eine eigene zusammenhängende Schilderung der Vorgänge verzichtet und lediglich in kurzen Einleitungen zu den einzelnen Kapiteln die geschichtlichen Verbindungslinien hergestellt. Ein riesiges Material ist hier in Gestalt von Hunderten von Flugblättern, Aufrufen, Befehlen, Reden, Zeitungsberichten usw. unter genauer Quellenangabe zusammengetragen, eine Sammlung, an der künftig kein Historiker, der sich mit diesem Zeitabschnitt beschäftigen will, achtlos vorübergehen kann.

Die Kämpfe der Roten Armee, die am 18. März 1920 im Anschluß an den Kapp-Putsch gegen Remscheid losschlug und die Stadt in ihre Gewalt brachte, sowie den Widerstand des Zeitfreiwilligen-Korps und die endliche Niederwerfung der Aufständischen durch Reichswehr und Polizei schildert unter wörtlichem Abdruck von Augenzeugenberichten eine kleine Schrift des Zeitfreiwilligen-Korps Remscheid < 1980>, der auch ein namentliches Verzeichnis der damals Gefallenen, ein Geländeplan und Faksimiles von roten Zeitungen


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aus den Kampftagen beigegeben sind. Gleichsam eine Ergänzung zu dieser Schrift bildet der Aufsatz von Generalleutnant a. D. Ernst Kabisch < 1981>, der als Augenzeuge und damals maßgeblich beteiligter Divisionskommandeur vom militärischen Standpunkt aus die Kämpfe schildert, die nordwärts von Remscheid am Niederrhein und an der Ruhr im Anschluß an den Kapp-Putsch (13. März bis 3. April 1920) gegen die Rote Armee geführt wurden. Zwei Gefechtsskizzen erleichtern das Verständnis.

Von den deutschen Parteien standen nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler, abgesehen von der NSDAP (über sie vgl. unten S. 383--392), besonders die Kommunisten wegen ihrer Bürgerkriegsvorbereitungen und des von ihnen angelegten Reichstagsbrandes im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Um die Öffentlichkeit über die ungeheure Gefahr aufzuklären, in der ganz Deutschland damals geschwebt hatte, enthüllte einer der besten Kenner dieses Gegenstandes, Adolf Ehrt <vgl. 1932, S. 278>, in einer bereits in sechster, etwas vermehrter Auflage erschienenen Schrift < 2031> auf Grund eines sehr reichhaltigen amtlichen Materials und mit Unterstützung der Reichs- und Staatsbehörden in umfassender Weise die Vorbereitungen für den kommunistischen Umsturzversuch (Verschwörung, Landes- und Hochverrat, bewaffneter Aufstand). Ferner hat derselbe Verfasser zusammen mit Hans Roden < 2032> eine »Blutchronik des Marxismus in Deutschland« zusammengestellt, in der die in der Zeit vom 5. November 1918 bis zum 8. Januar 1934 an Soldaten, Polizeibeamten, Nationalsozialisten und sonstigen Mitgliedern nationaler Verbände usw. verübten marxistischen Mordtaten in möglichster Vollständigkeit (die Liste enthält die Namen von weit mehr als fünfhundert Toten) und in chronologischer Folge verzeichnet sind. Der Mitarbeiter des damaligen preußischen Innenministers Göring, Martin H. Sommerfeldt, Leiter der Pressestelle des Preußischen Staatsministeriums, schildert in seinem im Frühjahr 1934 verfaßten Buche: »Kommune!« < 2029> ebenfalls unter Benutzung amtlichen Materials vor allem die illegale Arbeit der Kommunisten nach Hitlers Machtübernahme und ihre vielfachen Versuche, im Laufe des Jahres 1933 die zerschlagene Parteiorganisation insgeheim wieder aufzubauen. Verschiedene Abbildungen und Faksimiles von kommunistischen Schriftstücken, Propagandaschriften, Paßfälschungen usw. sind zur Erläuterung beigefügt. Eine wichtige kommunistische Einzelaktion des Jahres 1933, nämlich den Reichstagsbrand (27. Februar) sowie den umfangreichen Brandstifterprozeß vor dem Reichsgericht in Leipzig (21. September bis 23. Dezember) behandelt der Rechtsanwalt Dr. Sack, der damals den der Mittäterschaft angeklagten, dann aber freigesprochenen kommunistischen Abgeordneten Torgler verteidigte (Der Reichstagsbrand-Prozeß. -- Verlag Ullstein, Berlin 1934). Allerdings folgt der Verfasser, der sich stark in den Vordergrund stellt, hier nicht dem Gang der Prozeßverhandlungen und Beweisaufnahme mit allen Einzelheiten, sondern er beschränkt sich in der Hauptsache auf die wörtliche, zum Teil gekürzte Wiedergabe der Anklagerede des Oberreichsanwalts, der Plädoyers der drei Verteidiger und der Urteilsbegründung. Man vermißt jedoch in diesem Zusammenhang den Abdruck der bedeutsamen umfangreichen Zeugenaussagen der Reichsminister Dr. Goebbels und Göring vom 4. und 8. November 1933, die wichtige Einzelheiten über die kommunistische Gefahr mitteilten. Die Geschichte der drei marxistischen Parteien (SPD, USPD, KPD) von der Novemberrevolte bis zum Ende des Jahres 1923 hat in einer


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Leipziger Dissertation Heinz Schürer < 1962> auf Grund der sehr ausgedehnten marxistischen Parteiliteratur vom marxistischen Standpunkt aus geschrieben. Infolge dieser Einseitigkeit finden sich zahlreiche schiefe Urteile und anfechtbare Äußerungen (z. B. auf S. 7: »Im Weltkrieg wurde so aus der deutschen Sozialdemokratie eine nichtmarxistische [!] Partei.«). Völlig unzutreffend ist beispielsweise die Schilderung über die Beteiligung der SPD an der Revolte von 1918 sowie die Darstellung der anschließenden Vorgänge und des Ruhrkampfes (S. 55: »unausgesetzte Politik der Selbstaufopferung« seitens der SPD). Daß hier der Begriff der »Dolchstoßlegende« (S. 52) begegnet, ist unter diesen Umständen nicht weiter verwunderlich. Die Entwicklung des »politischen Katholizismus« in Deutschland seit Beginn des vorigen Jh.'s und damit verbunden die Tätigkeit der Zentrumspartei von ihren Anfängen bis zur Selbstauflösung (5. Juli 1933) behandelt der »konservativ« eingestellte und Papen nahestehende katholische Publizist und Zentrumspolitiker Emil Ritter < 1956>, in der Nachkriegszeit Herausgeber katholischer Wochenzeitungen, in denen er besonders den Linkskurs der preußischen Zentrumsfraktion angriff; am 7. Mai 1932 wurde er durch Papen zum Chefredakteur der führenden Zentrumszeitung: »Germania« berufen (bis 4. Juni 1932). Wenngleich seinen politischen Urteilen auch nicht immer zuzustimmen ist, so hat der Verfasser hier doch ein reiches, sehr brauchbares Material zusammengetragen und vermag aus eigenem, unmittelbarem Miterleben über die politischen Ereignisse der drei letzten Jahrzehnte manche beachtenswerte Einzelheit mitzuteilen. Einem von Ritter überhaupt nicht behandelten Ausschnitt aus der Politik eines bestimmten Kreises von Zentrumspolitikern, nämlich den u. a. von Dr. Heim, Graf Bothmer, Dorten usw. getragenen bayrisch-rheinischen separatistischen Bestrebungen und auf eine Aufteilung Deutschlands hinzielenden Plänen (1919/23) widmet F. Walther Ilges eine sehr eingehende, auf zahlreiche Originaldokumente und authentische Berichte gestützte, bereits in zweiter Auflage erschienene Untersuchung < 1979>. Diese hat er zusammen mit dem Rechtsanwalt Hermann Schmid in einer weiteren Schrift < 1978> vor allem noch durch genaue Feststellungen über die unheilvolle und landesverräterische Rolle ergänzt, die der frühere Kölner Oberbürgermeister Adenauer und der Zentrumsabgeordnete Prälat Kaas bei den rheinischen Losreißungsbestrebungen im Jahre 1918/19 gespielt haben. Auch diese Schrift beruht auf einem außerordentlich umfangreichen, in seinen entscheidenden Stücken in Faksimile wiedergegebenen Urkundenmaterial. Schließlich unterzieht Otmar Lenze < 3404> den politischen Liberalismus und die drei auf dem Boden dieser Weltanschauung stehenden Parteien: Deutsche Volkspartei, Deutsche Staatspartei und Radikal-demokratische Partei, einer kritischen Betrachtung und Untersuchung und behandelt die kritische Stellungnahme der anderen politischen Weltanschauungen, des Nationalsozialismus, Konservativismus, Solidarismus (der konfessionell gebundenen Parteien) und Klassen-Sozialismus (Marxismus), zu dem Liberalismus. Neben graphischen Darstellungen der verschiedenen Ideologien ist dem Buche eine Übersichtstafel über die Ergebnisse der einzelnen Reichstagswahlen von 1919 bis 1933 sowie in Stammbaumform eine gute schematische Darstellung der Entwicklung der liberalen Parteien von 1848 bis 1933 beigegeben.

Ein von den verschiedenen Parteien stark umstrittenes Thema bildeten die Osthilfemaßnahmen und -projekte. Die von der Öffentlichkeit an ihnen geübte


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Kritik, und zwar im Zeitraum bis zur nationalsozialistischen Revolution, behandelt Hansjörg Männel in systematischer Form und rein vom volkswirtschaftlichen, nicht aber vom juristischen oder historischen Standpunkt aus. Ausgeschieden ist daher auch eine Darstellung über die Durchführung der einzelnen Maßnahmen. Als Material dienen Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätze sowie Reden und Denkschriften von Wirtschaftsführern, Politikern usw. (Die grundsätzliche Kritik an den Osthilfemaßnahmen und -projekten. -- Risse-Verlag, Dresden-A. 1, 1934). Die verfassungsrechtliche und staatspolitische Stellung der deutschen Wehrmacht einmal in der Weimarer Republik (Rechtsgrundlagen nach der Verfassung, Aufbau, Vereidigung, Entpolitisierung, Stellung zu der Republik und den Parteien usw.) und dann im nationalsozialistischen Staat (Entparlamentarisierung, Neufassung des Eides, Arierparagraph usw.) bis zu Hindenburgs Tod (2. August 1934), also noch ohne Berücksichtigung des neuen Wehrgesetzes, untersucht im Rahmen eines Zeitschriftenaufsatzes Alfons Maier < 1963> auf Grund der einschlägigen Gesetze und Verordnungen.

Über den Ruhrkampf und die damit verbundene Abwehr gegen die separatistischen Bestrebungen im Rheinland und in der Pfalz sind anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Jahrestages dieser Ereignisse in den beiden Berichtsjahren 1933/34 zahlreiche Werke über dieses Thema erschienen. Den ganzen Zeitraum der Rheinlandbesetzung von 1920 bis 1930 einschließlich des Ruhrkampfes behandelt in knapper Zusammenfassung der Kölner Historiker Paul Wentzcke < 1976>, der selbst in Düsseldorf diese Besatzungszeit miterlebt hat. So groß auch die Fachkenntnisse sind, mit denen er das stofflich ausgezeichnete Buch verfaßt hat, so kann man ihm andererseits doch nicht den Vorwurf der Konjunkturhascherei ersparen. So heißt es beispielsweise auf S. 153 dieses 1934 erschienenen Werkes: »Zahlreiche Kämpen, die wenig später die treuesten Helfer Adolf Hitlers werden sollten, Josef Goebbels, Erich Koch, Dr. Ley und viele andere Führer der »alten Garde« haben sich hier ihre Sporen verdient.« In grellem Gegensatz zu dieser Äußerung steht aber das Urteil über den Nationalsozialismus, das er nur zwei Jahre zuvor (1932) in seinem großen zweibändigen Werk: »Ruhrkampf« <1932, S. 280> gefällt hat. Zwar sollte nach Aussage des Vorwortes (I, S. XIII) seine Darstellung »keiner Partei und keiner politischen Richtung, weder der Rechtfertigung noch der Anklage« dienen; aber ganz abgesehen davon, daß hier die Namen von Männern wie Goebbels, Koch und Ley überhaupt nicht erwähnt sind, greift der Verfasser in übelster Weise Hitler wegen seiner Nichtteilnahme an der von allen Parteien mit Ausnahme der Nationalsozialisten und Kommunisten gebildeten sogenannten »nationalen Einheitsfront« an, indem er ihn mit den Kommunisten auf eine Stufe stellt: »Beide Flügelgruppen... gefährdeten die innere Geschlossenheit der Abwehr.« Ferner wirft er Hitler »eigensüchtigen Sinn« vor und spricht vom »Eigennutz der Sondergruppen« (II, S. 69). Ebenso verschieden lauten in beiden Werken die Urteile über den 8. und 9. November 1923 (S. 199 bzw. II, S. 242 f. und 253). Während es nach Wentzckes Auffassung von 1932 »die deutsche Geschichte als besonderes nationales [!] Verdienst werten wird, daß die sozialistischen Minister im Reich und in Preußen [zu denen auch der damalige Innenminister Severing gehörte!]... dem Drängen der Parteigenossen standhielten und die Reichspolitik deckten« (II, S. 178 f.), bezeichnet


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er 1934 Severing »geradezu als Helfershelfer der [französischen] Gegner« (S. 154)! -- Ebenfalls den ganzen Zeitraum vom Kriegsende bis zur Rheinlandbefreiung umspannt die Broschüre des rheinhessischen Lehrers Paul Großmann < 1977>, die nur die Haupttatsachen jahrweise zusammenfaßt. Eine Reihe wichtiger Verfügungen der Einbruchsmächte druckt er wörtlich ab und bietet außerdem noch verschiedenes statistisches Material.

Neben diese Darstellungen, die die gesamte Besatzungszeit und das ganze besetzte Gebiet berücksichtigen, treten noch mehrere Bücher, die nur die Ereignisse in einer einzelnen Landschaft oder Stadt während eines beschränkteren Zeitabschnittes behandeln. Die Geschehnisse in der Pfalz von 1918 bis 1924 (3. Besatzungszone), insbesondere die französische Politik und die separatistischen Bestrebungen samt ihrer erfolgreichen Abwehr schildert Robert Oberhauser < 1993> in seiner als Leipziger Dissertation entstandenen Schrift ausführlich auf Grund eines sehr weitschichtigen Materials, über das er in dem Literaturverzeichnis und in mehr als 700 Anmerkungen Auskunft erteilt. Aus der ersten und zweiten Zone des altbesetzten Gebietes liegen verschiedene Darstellungen vor, eine umfangreiche über den passiven Widerstand und die Separatistenzeit in Jülich, die von Alexander Stollenwerk < 1986> auf Grund der Akten der Stadtverwaltung, des Kreisblattes und von Mitteilungen unmittelbar beteiligter Personen bearbeitet ist und das ganze Jahr 1923 umfaßt, sowie eine kürzere, ebenfalls auf amtlichem Material und Aufzeichnungen von Mitkämpfern beruhende Schrift von Karl Rembert < 1984> über den »Separatistenspuk« in Krefeld im Oktober und November 1923; als Anhang ist hier eine Reihe von Maueranschlägen aus dieser Zeit im Wortlaut veröffentlicht. Ferner schildert Klaus Friedrichs < 1975; über ihn vgl. auch 1932, S. 280> die Separatistenbewegung in Bonn während der Jahre 1919/23 auf Grund des einschlägigen Materials (Zeitungen, Augenzeugenberichte usw.), während schließlich der Journalist und Privatdozent für Zeitungswissenschaft Will Hermanns < 1985> als Zeitungsfachmann unter besonderer Verwertung der Presse die gesamte Besatzungs- und Separatistenzeit der Stadt Aachen von 1919 bis 1928 ausführlich darstellt. Fast als einziges der hier besprochenen Werke weist dieses auch ein Personen- und Sachregister auf. In einem Anhang behandelt der jetzige Aachener Oberbürgermeister Quirin Jansen, eins der ältesten dortigen Parteimitglieder, in kurzen Zügen die Geschichte der NSDAP in dieser Stadt in dem Jahrzehnt von 1923 bis 1933. Über den Separatistenputsch vom 30. September 1923 in der im Sanktionsgebiet gelegenen, seit März 1921 besetzten Stadt Düsseldorf berichtet vor allem unter polizeitaktischen Gesichtspunkten und besonderer Hervorhebung der von der Polizei geleisteten Abwehrarbeit Polizeihauptmann Franz Beyer < 1983>, der damals als Führer der 2. Polizeihundertschaft bei dem Kampf gegen die Separatisten entscheidend mitgewirkt hat. Über den Ruhrkampf, und zwar von seiner Vorgeschichte an bis zur Räumung des Ruhrreviers im Jahre 1925 sind zwei zusammenfassende, aus ausgedehnten Quellenstudien erwachsene Werke von Wilhelm Wiedfeld < 1974> und dem Kölner Privatdozenten Hans Spethmann < 1973> erschienen, die einen guten Überblick über den Ablauf der Geschehnisse im Ruhrgebiet vermitteln, aber ein Personenregister sehr vermissen lassen. Spethmann bezieht auch die Haltung von Reichsregierung und Reichstag in den Kreis seiner Darstellung ein. Das als Volksausgabe bezeichnete Buch dieses Verfassers,


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von dem bereits früher ein großes fünfbändiges Werk: »Zwölf Jahre Ruhrbergbau« (Verlag R. Hobbing, Berlin) herausgekommen ist, beruht auf Band 3--5 dieser wissenschaftlichen Arbeit. Obwohl diese bereits in den Jahren 1928/31 veröffentlicht ist, soll sie hier ausnahmsweise nachträglich wegen ihrer außerordentlichen Bedeutung für die Geschichte jener Epoche kurz gewürdigt werden. Im Gegensatz zu Wentzckes »Ruhrkampf« (vgl. oben S. 376), der sich lediglich auf die Jahre 1923/25 beschränkt, umfaßt sie den Zeitraum von 1914 bis 1925. Sie ist jedoch nicht vom rein politischen, sondern in sehr erheblichem Maße vom wirtschaftspolitischem Standpunkt aus geschrieben und läßt bei bewußter Beschränkung auf die mit dem Bergbau zusammenhängenden Fragen z. B. die Sabotageakte Schlageters, seine Verurteilung und Erschießung, die Haltung der deutschen Eisenbahner im Ruhrgebiet 1923, die Einrichtung der Regiebahnen usw. unberücksichtigt, so daß sich die Werke von Wentzcke und Spethmann gegenseitig ergänzen und erst zusammen ein vollständiges Bild vom Ruhrkampf ergeben. Als Material dienten Spethmann, der selbst an Ort und Stelle den Ruhrkampf miterlebt hat, in erster Linie die Aktenbestände der Grubenverwaltungen, sodann die verschiedenen Zeitungen sowie die Verhandlungsberichte des Reichstages und Preußischen Landtages. Während der erste und zweite Band die Bergarbeiterstreiks und -aufstände von 1916 bis Anfang 1923 unter Einschluß der Kämpfe der Roten Armee und des Reichswehreinmarsches (1920) behandelt, ist in Band 3 und 4 der eigentliche Ruhrkampf dargestellt, und zwar zunächst die große Linie der französischen Politik und im Anschluß daran die Einzelvorgänge, der Kampf um die Zechen, die Haltung der Bergarbeiterschaft und die zahllosen Terrorakte der Gegner gegen Angehörige des Bergbaus. Der abschließende fünfte Band enthält über 500 Abbildungen zur Geschichte des Ruhrkampfes. -- Außer diesen Gesamtdarstellungen sind noch zwei Augenzeugenschilderungen über den Verlauf des Ruhrkampfes in einzelnen Orten erschienen. Über seine Erlebnisse in Dortmund und Castrop berichtet Willi Reith < 1987> (diesem Buche ist ein Orts- und Personenregister beigegeben), über die Vorgänge in Dorsten und Hervest- Holsterhausen (Kreis Recklinghausen-Land) Hans Darmstadt und Alfons van Bevern < 1988>. Hierher gehört schließlich auch noch die von Friedrich Bubendey besorgte kleine Veröffentlichung von zwölf Briefen des Ruhrkämpfers Albert Leo Schlageter < 2052>, die dieser aus den Gefängnissen in Werden und Düsseldorf in der Zeit vom 14. April bis 26. Mai 1923 an seine Angehörigen und Mitkämpfer gerichtet hat und die hier zusammen mit einer größeren Zahl seiner Kriegsbriefe (1915/19) vereinigt sind.

Der vielfältigen Behandlung, die die Nachkriegsereignisse im Westen Deutschlands in der historischen Literatur erfahren haben, stehen für die beiden Berichtsjahre 1933/34 nur wenige Werke über die Vorgänge im deutschen Osten gegenüber. Die erste authentische Geschichte der deutschen »Eisernen Division«, deren Kämpfe im Baltikum gegen Sowjetrußland zunächst unter deutscher Flagge und dann im Verbande der weißen russischen Westarmee unter Fürst Awaloff sich über das ganze Jahr 1919 erstreckten, hat ihr Kommandeur Major Josef Bischoff unter Beigabe verschiedener Aktenstücke und Kartenskizzen veröffentlicht < 2007> und damit eine wertvolle Ergänzung zu dem Werke des Grafen Rüdiger von der Goltz: »Meine Sendung in Finnland und im Baltikum« (1920) geliefert. Über den Zusammenbruch im deutschen


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Osten, besonders in der Provinz Posen, im Winter 1918/19 sowie die Entstehung und das Wirken der »Deutschen Volksräte« im Netzegau (Bromberg) und in Westpreußen berichtet sehr ausführlich der bei ihrem Aufbau beteiligte Georg Cleinow < 2004>, der aber sich selbst in Überschätzung seiner Person zu stark in den Vordergrund rückt, eine Tatsache, die sein Kritiker H. J. Schmitz < 2004> besonders nachdrücklich hervorhebt, indem er dem Verfasser zugleich mangelnde »geschichtliche Treue und Objektivität« nachweist: »Man hat den Eindruck, als diene die Darstellung vielfach der eigenen Rechtfertigung und der Verteidigung der vom Verfasser seiner Zeit befolgten Politik« (S. 102). Als Ergänzung zu Cleinows auch sonst von anderen Seiten her angegriffenem Buche schildert Schmitz in einem Zeitschriftenaufsatz < 2005> aus eigenem Miterleben und auf Grund reichen, hauptsächlich in seinem Besitze befindlichen urkundlichen Materials, das er vielfach im Wortlaut mitteilt, die Tätigkeit der von ihm mitgegründeten Westposener »Deutschen Volksräte« (1918/19). Zwei weitere Werke beschäftigen sich schließlich mit Oberschlesien. Der damalige Chefredakteur der »Oberschlesischen Morgenzeitung« in Kattowitz, Rudolf Schricker < 1998>, schildert aus eigener Kenntnis der Verhältnisse und unter Bezugnahme auf gleichzeitige Dokumente, Berichte, Aufrufe usw. die Entwicklung der oberschlesischen Frage nach dem Ende des Weltkrieges, die Ereignisse, die mit der Abstimmung vom 20. März 1921 zusammenhängen, den dritten polnischen Aufstand und die schließliche Zerreissung Oberschlesiens, die in krassem Widerspruch zu dem Ergebnis der Volksabstimmung stand. Einen kleinen Ausschnitt aus diesen oberschlesischen Ereignissen, nämlich den wegen unberechtigter Eingriffe der Interalliierten Abstimmungskommission in den Gang der deutschen Rechtspflege in Oberschlesien am 14. April 1920 ausgebrochenen und erst am 9. Juni beendeten Justizstreik behandelt einer der an diesen Vorgängen beteiligten richterlichen Beamten, Landgerichtsdirektor Georg Langer < 1997>, unter Mitteilung der entscheidenden Dokumente. Ein besonderer Teil der Arbeit ist den mit diesem Streik zusammenhängenden juristischen Fragen gewidmet. Als Anhang sind die der Besetzung Oberschlesiens zugrundeliegenden gesetzlichen und rechtlichen Bestimmungen im Wortlaut abgedruckt.

Von den Ereignissen der deutschen Außenpolitik der Nachkriegszeit ist die Reparationsfrage, die auf der Lausanner Tributkonferenz (16. Juni bis 9. Juli 1932) ihre endgültige Lösung gefunden hat, von drei verschiedenen Seiten bearbeitet worden. Jens Jessen < 1947> gibt in einem bereits im Jahre 1931 abgeschlossenen Artikel, der im Wörterbuch der Volkswirtschaft erschienen ist, einen umfassenden Überblick über die Geschichte des gesamten Reparationsproblems von der Wilson-Botschaft und dem Waffenstillstandsvertrag bis zum Kriegsschuldenfeierjahr (1931), also noch ohne Berücksichtigung der Lausanner Konferenz, während sich Egon Pawlitzek < 1946> und Baptist Gradl < 1945> lediglich auf einen Ausschnitt aus diesem Fragenkomplex, nämlich die Reparationssachleistungen, beschränken. Gradl behandelt in seiner um die Jahreswende 1930/31 abgeschlossenen und vor der Drucklegung (Mai 1933) noch etwas ergänzten Arbeit die Geschichte dieser Sachleistungen seit dem Jahre 1919 und den Wandel der Sachleistungsidee von 1919 bis 1931; Pawlitzek dagegen untersucht vom rein volkswirtschaftlichen Standpunkt aus nur die Sachlieferungen an Frankreich unter dem Dawes- und Young-Plan bis zur Regelung


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durch die Lausanner Konferenz. -- Deutschlands Beziehungen zu den Vereinigten Staaten seit dem Kriegsende bis zum Abschluß des Jahres 1932 schildert in ganz großen Zügen Friedrich Wilhelm von Prittwitz und Gaffron < 1941>, der fünf Jahre lang (November 1927 bis März 1933) in Washington den Posten des deutschen Botschafters bekleidet hatte.

In den beiden Berichtsjahren 1933/34 erschienen mehrere Biographien deutscher Politiker. Die Hindenburg-Biographie von Gerhard Schultze- Pfaelzer < 1966> (über ihn vgl. oben S. 367) ist nicht die erste aus der Feder dieses Verfassers, sondern zwei andere sind ihr bereits voraufgegangen. Allerdings unterscheiden sie sich wesentlich voneinander -- entsprechend der jeweiligen politischen Konstellation! Schrieb er 1925 als Deutschnationaler, so stellte er sich 1930 ganz auf staatsparteilichen Boden und scheute sich nicht, die übelsten Schmähungen und Anwürfe gegen die Nationalsozialisten und die ganze nationale Bewegung vorzubringen. Im Jahre 1934 hat er sich chamäleonsartig schon wieder gewandelt; denn jetzt versucht er, die Ereignisse vom nationalsozialistischen Standpunkt aus darzustellen, indem er von seinen früheren anders gearteten Werken mit den Worten abrückt: »Vergänglich ist vieles von dem gewesen, was ich in diesen neun Jahren [1925/34] über politische Tagessituationen dachte und schrieb, die selbst Hindenburg nicht allwissend überblicken konnte. Erst im Jahre des Heils 1933 war der Staatsmann Hindenburg für den zeitgenössischen Betrachter in eine gesicherte Perspektive gerückt« (Geleitwort). Aber der Verfasser hat sich dabei nicht einmal die Mühe gemacht, nun ein gänzlich neues Buch zu schaffen, sondern in weitgehendstem Maße schrieb er seine Arbeit von 1930 aus. Nur die politischen Urteile suchte er -- nicht immer mit Erfolg -- den Erfordernissen der neuen Zeit anzupassen. Abgesehen von diesem ständigen Gesinnungswechsel, der auf den Verfasser nicht gerade ein gutes Licht wirft, befriedigt dieses Buch auch inhaltlich in keiner Weise. Da der Verfasser sich im »Geleitwort« rühmt, daß er Hindenburg »im Jahre 1925 bei seiner Wahl zum Reichspräsidenten als Helfer zur Seite stehen durfte«, und außerdem Hindenburgs Sohn und dem Staatssekretär Meißner »für die jahrelange Unterstützung« der Arbeit seinen ausdrücklichen Dank ausspricht, sollte man eigentlich genaue Mitteilungen über bisher unbekannte interne politische Vorgänge erwarten können. Aber auch hier enttäuscht das Buch, da der Verfasser kaum irgend etwas wesentlich Neues -- beispielsweise über das Entscheidungsjahr 1932 -- zu berichten weiß. Franz von Papen fand einen hingebenden Anwalt in seinem Parteigänger Gert Buchheit, der zwei Schriften < 1968 und 1969> über den ehemaligen Reichskanzler veröffentlicht hat. Von starker apologetischer Tendenz durchzogen, sind sie jedoch keine eigentlichen Biographien, sondern nur kurze Skizzen, die vor allem Papens Tätigkeit als Reichskanzler und seine politische Ideenwelt in den Vordergrund stellen; sein sonstiger Lebensgang ist nur in sehr knappen Zügen geschildert. Auch Papens Vorgänger und Nachfolger, Brüning und Schleicher, ist hier eine kurze Würdigung zuteil geworden. Die erste Schrift verfaßte Buchheit im Januar 1933 noch während der Kanzlerschaft des Generals von Schleicher (im Anhang sind hier ein Aufsatz und drei Reden Papens im Wortlaut abgedruckt), die zweite dagegen ist erst im Herbst 1933 erschienen. Ihnen beiden gemeinsam ist das starke Eintreten für Papens Person; aber während die erste eine offene Frontstellung des Verf. gegen Hitler nicht verleugnet


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(z. B. S. 58: »verstiegene Forderungen Hitlers«), ist die zweite den durch die Machtübernahme seitens des Nationalsozialismus grundlegend geänderten Verhältnissen angepaßt und bis zum Tag von Potsdam (21. März 1933) fortgeführt; allerdings finden sich auch hier sehr fehlerhafte Darstellungen, die teilweise hart an Geschichtsfälschungen grenzen (z. B. S. 63 f.: »während Schleicher ... Strasser ... gegen Hitler auszuspielen oder durch Strasser Hitler zu gewinnen [!] sucht«; Papen »spricht zu ihm [Hitler in Köln am 4. Januar 1933] als Mann zu Mann und überzeugt [!] ihn von der Notwendigkeit, den unseligen Pluralismus der Parteien und ihre Machtansprüche durch den geschlossenen Einsatz aller aufbauwilligen und nationalen Kräfte zu überwinden«). Bezeichnend für Buchheits Arbeitsweise ist, daß er sich selbst oft seitenlang wörtlich ausschreibt. Diese Beobachtung kann man in größerem Ausmaße nicht nur bei der zweiten Schrift über Papen machen, sondern auch in seinem recht minderwertigen Werk: »Kämpfer für das Reich. Von Stein bis Hitler« (Verlag Chr. Belser, Stuttgart 1934), wo sich in den Kapiteln über Hindenburg und Hitler umfangreichere Abschnitte aus jenen beiden voraufgehenden Arbeiten im Wortlaut wiederfinden. Der dem am 23. April 1924 tödlich verunglückten Karl Helfferich offenbar einst nahestehende Adolf Scheffbuch < 1967> ließ eine lebendig geschriebene Biographie dieses Währungspolitikers und Finanzfachmannes erscheinen, in der er vor allem dessen Persönlichkeit in den Vordergrund rückt und seine Fachleistungen (Rentenmark usw.) nur kurz behandelt. Schärfstens abzulehnen ist aber die von Helfferichs eigenem Urteil über Rathenau beeinflußte Stellungnahme des Verf. gegenüber dem Rathenau- (und auch dem Erzberger-) Attentat, bei deren Erwähnung von »Mord« (S. 84), »Mordbuben« (S. 86) und »Mörderhand« (S. 83) die Rede ist. Ließ sich über Helfferichs Person und Wirken schon ein abgeschlossenes Urteil fällen, so liegen die Dinge ganz anders bei Hjalmar Schacht, dessen Werdegang und Lebensweg bis zu seiner Wiederernennung zum Reichsbankpräsidenten (März 1933) Franz Reuter auf Grund sachlicher und persönlicher Quellen und Zeugnisse darstellt < 2049>. Im Gegensatz zur Helfferich-Biographie sind hier unter Zurückstellung des persönlichen Momentes in ganz starkem Maße die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme der Nachkriegszeit in den Kreis der Darstellung einbezogen. Erwähnt seien hier schließlich noch die beiden Selbstbiographien des christlich-sozialen Politikers Reinhard Mumm (geb. 1873) < 2786> und des um sechs Jahre jüngeren Gründers und langjährigen Herausgebers des »Deutschen Vorwärts« (1924/31) Emil Unger-Winkelried < 2065>. Mumm, der die Niederschrift seines Buches zwei Wochen vor seinem Tode (25. August 1932) beendet hat, war seit 1912 Reichstagsmitglied und schildert nun in seinen Lebenserinnerungen vom evangelischen Standpunkt aus seine sich über mehr als drei Jahrzehnte erstreckende politische Tätigkeit, insbesondere auf dem Gebiet der Schul- und Kirchenpolitik. Bis zur Parteispaltung vom 4. Dezember 1929 Mitglied der Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei, setzt er sich in seinem Werk verschiedentlich mit deren Politik auseinander. Merkwürdig berührt es aber, daß er zwar die von ihm am 28. Dezember 1929 mitbegründete Splitterpartei des »Christlichsozialen Volksdienstes« als eine »Zuflucht« und »Hoffnung« (S. 141 f.) bezeichnet, aber sich weder positiv noch negativ mit Hitler und der Idee des Nationalsozialismus auseinandersetzt, obwohl die NSDAP damals (1932) immerhin schon die größte

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deutsche Partei darstellte. Das stark journalistisch gehaltene Buch von Unger- Winkelried, der selbst bis zum Jahre 1920 der Sozialdemokratischen Partei angehörte und vor einigen Jahren der NSDAP beitrat, gewinnt eine besondere Bedeutung durch die auf persönlichen Erlebnissen und Eindrücken des Verfassers beruhenden Mitteilungen über zahlreiche marxistische Führer der Vor- und Nachkriegszeit (der ursprüngliche Titel: »Von Bebel zu Hitler. Vom Zukunftsstaat zum Dritten Reich« wurde nachträglich abgeändert in: »Ich bekenne! Lebenserinnerungen eines Sozialdemokraten«).

Die umfangreiche Veröffentlichung von Gustav Stresemanns politischem Nachlaß, die von seinem Privatsekretär Henry Bernhard besorgt ist, hat nunmehr mit dem dritten Band ihren Abschluß gefunden < 1971; vgl. 1932, S. 282>. Dieser umfaßt die drei Jahre deutscher Außenpolitik von Stresemanns Konferenz mit Briand in Thoiry (17. September 1926) bis zu seinem plötzlichen Tod (3. Oktober 1929). Den Inhalt dieses Bandes bildet nebst kurzen verbindenden und erläuternden Texten des Herausgebers, der dem Band auch eine zusammenfassende Einleitung über die politischen Verhältnisse der betreffenden Jahre und Stresemanns damaliges Wirken voraufgeschickt hat, wieder eine Auswahl aus den eigenen Aufzeichnungen, Rechenschaftsberichten, Briefen, Reden und Aufsätzen des langjährigen deutschen Reichsaußenministers. Gute, mit biographischen Notizen versehene Personen- und Sachregister zu den einzelnen Bänden erschließen den reichen Inhalt des ganzen Werkes. -- August Winnig < 1970>, der in den Jahren 1919/20 bis zu seinem nach dem Kapp- Putsch erfolgten Ausscheiden aus der Sozialdemokratischen Partei Oberpräsident der Provinz Ostpreußen war und sich dann der nationalen Front anschloß, hat in Buchform eine Sammlung von 90 Gelegenheitsaufsätzen über politische Tagesfragen in derjenigen Form vereinigt, in welcher er sie in dem Jahrzehnt vom Herbst 1923 bis zum März 1933 hauptsächlich in der »Berliner Börsen- Zeitung« veröffentlichte. Sie bilden eine gute Quelle zur Geschichte dieser Zeit.

In das Gebiet der Geistes- und Ideengeschichte führen die Schriften von Heinz Hertel < 3410 b> und Julius Petersen < 3410 a> über das »Dritte Reich«. Während Hertel, der den Stoff mehr sammelt als verarbeitet und z. B. bei Paracelsus nicht auf den Quellen, sondern auf Kolbenheyers Roman fußt, unter Beschränkung auf nur wenige Vertreter des Geisteslebens in kurzen Zügen die Entwicklung der Vorstellung vom »Dritten Reich« vom Montanismus bis zu Moeller van den Bruck darstellt, behandelt der Berliner Literarhistoriker Petersen auf Grund einer riesigen Fülle von Zeugnissen der deutschen Sage und Dichtung und mit zahlreichen Ausblicken auf die fremdländische Literatur das gleiche Thema sehr viel ausführlicher. Die vielgestaltigen Heilsvorstellungen, die mit dem Begriffe des »Dritten Reiches« verbunden sind, betrachtet er in dem Rahmen von sechs verschiedenen, aufeinanderfolgenden Typen (»Goldene Zeit«, »Gottesreich«, »Weltmonarchie«, »Geistesreich«, »Völkerbund«, »Zukunftsstaat«) und läßt sie in den »Volksstaat« einmünden. Der nationalsozialistische Philosoph und Pädagoge Ernst Krieck < 3412> verfolgt im Rahmen eines ganz kurzen Zeitschriftenaufsatzes die Idee des Dritten Reiches durch die Geistesgeschichte unter klarer Absonderung der nicht hierhergehörigen Vertreter des Geisteslebens wie Fichte und Schelling. Scharfe Kritik übt er dabei an Hertels Schrift (s. o.). Mit dem Manne, durch den der Begriff des »Dritten Reiches« in der breiten Öffentlichkeit wieder eine Neubelebung


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erfahren hat, Arthur Moeller van den Bruck, beschäftigen sich zwei Bücher. Der Schriftsteller Paul Fechter < 3409> schildert zunächst Moellers Lebensweg unter Benutzung von biographischen Mitteilungen, die von dessen erster Gattin stammen, um dann dessen verschiedene Werke einer näheren Betrachtung und Analyse zu unterziehen. Dagegen beschränkt sich Richard Adams Skizze (am 30. März 1933 als Vortrag gehalten) < 3410> unter Verzicht auf biographische Einzelheiten auf die Darstellung der Gedankenwelt des Verfassers des »Dritten Reiches«, den er jedoch in seinem Einfluß und seiner Nachwirkung etwas überschätzt. Moeller van den Bruck kommt selbst zu Wort in dreizehn politischen Aufsätzen, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit (1916/24) in verschiedenen Tageszeitungen und Zeitschriften erschienen und allgemeinpolitische Fragen behandeln. Diese hat Hans Schwarz in Buchform und teilweise etwas gekürzt unter dem Titel: »Der politische Mensch« aufs neue veröffentlicht < 3408>. Von den geistigen Strömungen, die schon in der Vorkriegszeit entstanden und später mit dem Nationalsozialismus parallel liefen oder sich mit ihm vereinigten, ist der völkische Gedanke zu nennen, dessen Werdegang und Ziele im Rahmen seiner eigenen Lebenserinnerungen einer der Vorkämpfer dieser Idee, Max Robert Gerstenhauer < 2012>, unter Abdruck verschiedener eigener, von ihm früher verfaßter Schriftsätze, Zeitungsartikel usw. schildert. In den Jahren 1930/31 war Gerstenhauer auch einer der Mitarbeiter Fricks in dessen Thüringer Ministerzeit, in dessen Auftrag er vor dem Leipziger Staatsgerichtshof in dem Streit mit dem Reichsinnenminister Wirth das Land Thüringen vertrat. Ein gutes Personen- und Sachregister hätte die Benutzbarkeit des Gerstenhauerschen Buches, das durch die Verbindung von Ideen- und eigener Lebensgeschichte etwas unübersichtlich geworden ist, wesentlich erhöht.

II. Zur Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Führer.

Im Vergleiche mit dem Jahre 1932 <1932, S. 282--287> trägt die in den beiden Berichtsjahren 1933/34 über die Geschichte der Bewegung erschienene Literatur in doppelter Beziehung einen ganz anderen Charakter. Einerseits hatte die Machtübernahme in Deutschland durch den Nationalsozialismus zur Folge, daß gegnerische Schriften im Inlande völlig von der Bildfläche verschwanden (die im Auslande veröffentlichte haßverzerrte Emigrantenliteratur ist nicht als ernst zu nehmender Beitrag zur Geschichtsschreibung zu werten). Andererseits griffen nach der nationalsozialistischen Revolution zahlreiche Konjunkturschriftsteller (wie etwa Czech-Jochberg) zur Feder, deren Darstellungen für den Historiker aber ebenfalls ganz unbrauchbar sind und denen durch die Einsetzung der »Parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttums« am 16. April 1934 die weitere Geschichtsschreibung über die Bewegung unmöglich gemacht wurde. Zieht man von der riesigen Fülle der seit dem Beginn des Jahres 1933 veröffentlichten Literatur über die NSDAP die beiden soeben gekennzeichneten Gruppen ab, so bleibt jedoch immer noch eine große Zahl wissenschaftlich einwandfreier und brauchbarer Arbeiten übrig.

Eine ausführliche, alle Anforderungen befriedigende Geschichte der NSDAP ist immer noch nicht erschienen. Die Schrift von Johann von Leers < 2021> ist eigentlich weniger eine selbständige Geschichte der Bewegung als vielmehr eine deutsche Geschichte der Nachkriegszeit bis Anfang Juli 1933 unter besonderer Berücksichtigung der NSDAP. Sie ist vor allem in den Jahren


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1924/29 sehr kurz gefaßt und geht im allgemeinen nur wenig auf Einzelheiten ein. An den Anfang ist ein Kapitel über Hitlers Werdegang (nach Hitlers »Mein Kampf«) gestellt. Ausgezeichnet ist der ganz knappe Abriß von dem nationalsozialistischen Historiker Walter Frank < 2023> (als Vortrag am 14. Juni 1934 gehalten), der hauptsächlich den inneren Zusammenhängen in der Geschichte der NSDAP nachgeht. Er schließt mit dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933. Ebenfalls als Vortrag (im Herbst 1932 gehalten) entstand die kleine Schrift des Tübinger Historikers Heinrich Dannenbauer < 3411>, die in kurzen Zügen die Entwicklung der Partei schildert, für den Historiker aber besonders anregend ist durch die vom Verfasser durchgeführte Parallele zwischen dem Kampfe des Nationalsozialismus und dem Verlaufe der Reformation. Mehr journalistischen Charakters sind die reich bebilderten Werke des alten Parteimitgliedes Hansfritz Sohns < 2019> und des früheren »Angriff«-Schriftleiters Wilhelm Fanderl < 2020>. Bei beiden liegt der ganze Schwerpunkt der Darstellung durchaus auf der Frühzeit von 1920 bis 1923, während die Jahre 1925/29 nur gestreift sind. Den Abschluß bildet bei ihnen der 1. Mai bzw. 21. März 1933. Hingewiesen sei noch auf die Darstellung über den wichtigen Koburger SA-Aufmarsch vom 14./15. Oktober 1922, von dem Sohns in seinem Buch (S. 26--32) auf Grund eines Augenzeugenberichtes bisher unbekannte Einzelheiten mitteilen kann. Da allerorts über die Daten der Geschichte der NSDAP (einschließlich SA, SS und HJ) große Unklarheit herrscht und sehr viele falsche Angaben im Umlauf sind, hat Hans Volz < 2022> sie nach eigenen Forschungen zum ersten Male mit möglichster Vollständigkeit und Zuverlässigkeit in chronologischer Folge zusammengestellt. Sie umfassen in der 5. Auflage neben den Daten von Hitlers Leben die Zeit von der Parteigründung (5. Januar 1919) bis zum Oktober 1935. Für die Epoche nach dem 30. Januar 1933 ist die Zusammenstellung auf die gesamte deutsche Innen- und Außenpolitik ausgedehnt. Ein Personen- und Sachregister erhöht die Übersichtlichkeit und erleichtert die Benutzung. Ein weiteres wichtiges Hilfsmittel bildet für den Historiker die Bibliographie von Erich Unger < 2011>, die das gesamte von 1919 bis zum 1. Januar 1934 erschienene Schrifttum über den Nationalsozialismus, nach Sachgebieten geordnet, erfaßt. Gute Sachwort- und Verfasserregister erschließen den riesigen Stoff. Berücksichtigt ist nicht nur die Geschichte, sondern auch alle Zweige des Kultur-, Geistes- und Wirtschaftslebens sowie die NS-Presse. Dabei ist grundsätzlich die gegnerische Literatur ausgeschaltet, die die sonst ganz minderwertige und deshalb auch wieder zurückgezogene »Bibliographie des Nationalsozialismus« von Walter Sagitz (Verl. A. Heine, Cottbus 1933) verzeichnet.

Neben den Gesamtdarstellungen über die Geschichte der NSDAP haben in den beiden Berichtsjahren auch noch einzelne Abschnitte eine gesonderte Behandlung erfahren. Hier ist zu nennen das Buch von Albert Reich < 2017>, das die »Entstehung der deutschen Freiheitsbewegung« und ihre Geschichte hauptsächlich in München bis zum 9. November 1923 im Rahmen der allgemeinen politischen Ereignisse schildert. Als alter Parteigenosse kann er viele Einzelheiten aus eigenem Miterleben schildern; sehr dürftig sind jedoch seine Mitteilungen über die Entwicklung der SA. Besonders wichtig sind aber die vielen dem Werke beigegebenen Bilder, Faksimiles von Dokumenten, Flugblättern, Plakaten usw. Die Arbeit von Alexander Schilling-Schletter < 2013>


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über den Politiker Walter Riehl, der bis zum Herbst 1923 der »Parteiobmann« der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP) in Österreich war und später eine der jeweiligen politischen Konjunktur angepaßte Stellung einnahm, gewinnt Bedeutung durch das sehr umfangreiche Kapitel: »Hitler in Österreich«, das erstmalig dessen Beziehungen zu der im Jahre 1926 in die reichsdeutsche NSDAP aufgegangenen österreichischen Bruderpartei in der Zeit von 1920 bis Herbst 1923 unter Abdruck von Briefen, Zeitungsausschnitten usw. behandelt.

Mit den Vorgängen des Entscheidungsjahres 1932 beschäftigen sich sechs Werke. Das weitaus wichtigste unter ihnen ist das Buch von Dr. Joseph Goebbels < 2045>, das die Zeit vom 1. Januar 1932 bis zum 1. Mai 1933 umfaßt und die von ihm an jedem Tage gemachten Tagebuchaufzeichnungen wohl im wesentlichen unverändert wiedergibt (»Was hier niedergelegt ist, das wurde geschrieben im Drange der Tage und manchmal der Nächte ... vom Augenblick gefärbt und auf das stärkste beeindruckt«, S. 10). Da der Verfasser als Reichspropagandaleiter der NSDAP damals selbst im Brennpunkt der Ereignisse gestanden hat, ist er in der Lage, aus eigenem Miterleben zu berichten. Besonders wesentlich ist der Umstand, daß der Tagebuchcharakter erhalten ist und dadurch die wechselnde Stimmung der einzelnen Tage gut zum Ausdruck kommt. Somit stellt diese Veröffentlichung eine Geschichtsquelle ersten Ranges dar, die für diese Zeit bisher einzigartig ist. Ebenfalls als Teilnehmer an wichtigen Konferenzen, Entscheidungen usw. berichtet der Reichspressechef der NSDAP Otto Dietrich < 2036>, der in der Hauptsache das Jahr 1932 und den Januar 1933 bis zum Tage der Machtübernahme behandelt. Mit voller Absicht stellt er Hitlers Persönlichkeit in den Mittelpunkt seiner Schilderung (»Persönliche Erlebnisse mit meinem Führer«). Im Gegensatze zu dem Buche von Goebbels gibt er aber die Geschehnisse in fortlaufender Erzählung wieder. Kann er auch bedeutsame Einzelheiten und Eindrücke berichten, so fehlt doch hier die Unmittelbarkeit, wie sie nur Tagebuchaufzeichnungen eigen ist; denn unwillkürlich wird der wechselvolle Ablauf der Ereignisse bei der Rückschau meist nach ihrem endgültigen Ergebnis beurteilt. Waren diese beiden Männer, Goebbels und Dietrich, im nationalsozialistischen Lager Zeugen der hochpolitischen Vorgänge der damaligen kampfbewegten Zeit, so berichtet über die Periode der Kabinette Brüning II, Papen und Schleicher der »Stahlhelmer« und Angehörige des »Herrenklubs« Edgar von Schmidt-Pauli als naher Vertrauter und Mittelsmann Papens ganz von dessen Standpunkt aus < 2027>. Als sein Abgesandter hat er auch mehrfach mit Hitler verhandelt und ist also ebenfalls als Augenzeuge zu werten. Die erste Auflage seines Buches schloß er kurz nach dem 4. Januar 1933 ab, dem Tage der Kölner Unterredung zwischen Hitler und Papen, deren Tragweite der Verfasser aber durchaus verkennt (S. 132 und 191). Nach Adolf Hitlers Machtübernahme ließ er dann eine um vierzehn Seiten erweiterte, sonst aber völlig unveränderte zweite Auflage erscheinen, die nunmehr bis zum 30. Januar 1933 führt und wichtige Einzelheiten über die Kabinettsbildung bringt. Merkwürdigerweise ist aber die Landtagswahl in Lippe (15. Januar), die damals den Wendepunkt bedeutete, sowie der entscheidende SA-Aufmarsch auf dem Bülowplatz in Berlin (22. Januar) mit keinem Wort erwähnt. Nur einen Ausschnitt aus dem politischen Kampf jener Zeit behandeln die beiden Werke Herbert Seehofers (Berichterstatter vom »Völkischen


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Beobachter«) < 2037> und der Schriftleiter des »Angriffs« und »Völkischen Beobachters« < 2038> über die Deutschlandflüge, die Hitler seit dem 3. April 1932 vor allen großen Wahlen unternahm; diese leiteten damals einen ganz neuen Abschnitt in der Entwicklung der nationalsozialistischen Propaganda und im Kampf der Bewegung um die Staatsmacht ein. Die Verfasser berichten aus eigenem Erleben wichtige Einzelheiten über die damals erstmalig verwandten, ganz neuen politischen Kampfmethoden der Nationalsozialisten. Besonders bei Seehofer steht die Person Adolf Hitlers im Vordergrund der Darstellung. Gemeinsam ist diesen soeben besprochenen fünf Werken, daß sie sämtlich von Augenzeugen herrühren. Anders liegt der Fall bei dem Nationalsozialisten Karl Siegmar von Galéra < 2026>, der sein Buch nicht als Politiker, sondern als Historiker geschrieben hat. Als Fortsetzung zu seinem voraufgegangenen sechsbändigen Werke: »Geschichte unserer Zeit« <1932, S. 283> beginnt es ohne Einleitung mit der Behandlung der Auswirkungen der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932. Es erstreckt sich aber nicht nur auf die Zeit des Kampfes der NSDAP gegen die Reaktion, sondern umfaßt auch die ersten acht Monate des Dritten Reiches (bis zum Erntedankfest am 1. Oktober 1933). Neben der Innenpolitik hat auch die deutsche Außenpolitik des gesamten Zeitraumes entsprechende Berücksichtigung gefunden. Das Urteil, das über die früheren Bände <1932, S. 283> gefällt wurde, trifft in gleicher Weise für den vorliegenden Band zu, der ebenfalls nur eine Chronik und keine wirkliche »Deutsche Geschichte« darstellt. So vermißt man z. B. einen durch die Ereignisse selbst bedingten Abschluß dieses Buches, da nicht der vom Verfasser gewählte 1. Oktober, wohl aber beispielsweise die Volksabstimmung vom 12. November 1933 einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte der damaligen Zeit bedeutete. Zwar ist vom Verfasser ein reichhaltiges Material aufgehäuft, es trägt jedoch häufig den Charakter des Zufälligen, zudem mangelt es an einer straffen und übersichtlichen Gliederung des Stoffes sowie an einem Register. Bei der Behandlung der Ereignisse bleibt der Verfasser allzusehr an der Oberfläche und im rein Stofflichen stecken, ohne die tieferen Zusammenhänge immer aufzuzeigen. Ferner fehlt ihm auch die genaue Kenntnis von den Hintergründen der einzelnen Vorgänge, da er in der Hauptsache als Quelle auf Zeitungsberichte und dergleichen angewiesen war. Seine Darstellung ist nicht immer fehlerfrei.

Über die nat.-soz. Revolution berichtet außer Galéra noch in einer besonderen, im Sommer 1933 erschienenen Schrift Hans Wendt < 2028>, der aber kein Nationalsozialist ist und sich in seinen stark in liberalistischen Gedankengängen wurzelnden Urteilen oft deutlich von der Parteiauffassung absetzt, z. B. in seiner Stellungnahme für Schleicher (S. 20), seinen Sympathien für Sowjetrußland als unseren »natürlichen Verbündeten« (S. 106) usw. Er behandelt die Zeitspanne von Anfang Januar bis zum 23. März 1933 (Ermächtigungsgesetz). Das Werk von Oskar Krüger < 2066>, ein im Auftrage der Obersten Leitung der PO der NSDAP verfaßter Rechenschaftsbericht über die Übernahme der Gewerkschaften durch die Nat.-soz. Betriebszellenorganisation (NSBO), schildert in Kap. 3 die Vorgänge, die zu dieser Aktion vom 2. Mai 1933 führten, und die Aktion selbst. Einen kurzen chronikartigen Überblick über die Ereignisse vom Beginn des Jahres 1933 bis zum 24. Oktober 1933 gibt der Regierungsrat im Propagandaministerium Wilfried Bade in seiner »Geschichte des


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Dritten Reiches, Bd. 1: 1933 -- Das Jahr der Revolution« (Verl. Ch. Coleman, Lübeck 1933); Bd. 2 (»1934 -- Der Aufbau beginnt«) führt bis zum Ende des Nürnberger Parteitages (10. September 1934). Weit umfangreicher ist das ganz ausgezeichnete, überaus sorgfältig gearbeitete Standardwerk: »Das Dritte Reich«, das Gerd Rühle (über ihn vgl. unten S. 388) mit Unterstützung des Deutschen Reichsarchivs verfaßt hat < 1930>. Der erste Band behandelt nach einem kurzen einleitenden Rückblick auf die letzten vierzehn Jahre sämtliche deutschen außen-, innen- und wirtschaftspolitischen Ereignisse des Jahres 1933 und das Aufbauwerk des Nationalsozialismus seit dem Tage der Machtübernahme durch Adolf Hitler. Die einzelnen Geschehnisse sind nach großen Gesichtspunkten geordnet und zusammengefaßt. Außer einer Zeittafel für das Jahr 1933, die allerdings nicht immer ganz fehlerlos ist, sowie einem Personen- und Sachregister, das die Benutzung des Werkes wesentlich erleichtert, ist in einem Anhange noch eine größere Zahl von Bildern (Dokumente, Persönlichkeiten und Ereignisse des Jahres 1933) beigefügt. Es ist beabsichtigt, auch jedes der folgenden Jahre (der Band über das Jahr 1934 ist bereits erschienen) sowie die Vorgeschichte der nat.-soz. Revolution in je einem besonderen Bande darzustellen.

Auch die Geschichte der NSDAP in einzelnen deutschen Landschaften hat mehrfache Bearbeitung erfahren. Der stellv. Gauleiter des Gaues Hannover- Süd Kurt Schmalz, ein sehr alter Kämpfer, schildert auf Grund eigener Kenntnisse und der örtlichen Presse in kurzen Zügen die Entwicklung der Bewegung im Land Braunschweig von ihren Anfängen bis zum 30. Januar 1933 < 2070>. Die Geschichte der Partei in Hamburg ist von zwei verschiedenen Seiten dargestellt worden. Wilhelm Recken (Pseudonym für: Friedrich Wencker) und Julius W. Krafft < 2072> behandeln im ersten Kapitel ihres Buches die Novemberrevolte und die daran anschließenden monatelangen Unruhen, im zweiten Kapitel den Kapp-Putsch von 1920 und in zusammengedrängter Form und unter Berücksichtigung nur der wesentlichsten Ereignisse (z. B. Wahlen) die Geschichte der Hamburger NSDAP von 1921 bis zur Einführung des Reichsstatthalters Kaufmann im Sommer 1933. Als Quellen dienten den Verf. neben der gedruckten Literatur und der gesamten Hamburger Presse in der Hauptsache für den ersten Teil zahlreiches dokumentarisches Archivmaterial. Besonders wichtig sind die Abbildungen von einer größeren Zahl von Flugblättern, Plakaten usw. Im Gegensatz zu Recken- Krafft ruht bei dem viel umfangreicheren, im Juni 1935 schon in zweiter ergänzter Auflage erschienenen Werke von Hermann Okraß < 2073> (zur Zeit Hauptschriftleiter des nat.-soz. »Hamburger Tageblatts«) der ganze Schwerpunkt auf der Darstellung des Aufstieges der NSDAP. in Hamburg. Der Verf. bietet viel mehr an Einzelheiten als Recken-Krafft, zumal er selbst seit Jahren der Partei und SA als Amtswalter und SA-Führer angehört. Neben seinen eigenen Erlebnissen kann er sich auf die Berichte alter Parteigenossen und die Presse sowie in weitestem Umfange, da er im Auftrage des Gauleiters Kaufmann schrieb, auf die Akten der Gauleitung und SA-Führung stützen, die Recken-Krafft überhaupt nicht zugänglich waren. Ferner beschränkt er sich nicht wie diese auf die Vorgänge in Hamburg selbst, sondern er berücksichtigt daneben die Entwicklung in Altona und teilweise auch in der Nordmark. Dieses Buch, das bis zum 21. März 1933 führt, ist schlechthin als vorbildlich für eine


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Gaugeschichte der NSDAP zu bezeichnen. Das sehr sorgfältig gearbeitete Werk Gerd Rühles (in den Jahren 1931/32 Führer des Kreises X und 1932/33 des gesamten NS-Studentenbundes, dann persönlicher Referent des Gauleiters und Oberpräsidenten Wilhelm Kube) enthält die Geschichte der beiden am 1. Juni 1933 zum Gau Kurmark zusammengefaßten Gaue der NSDAP Brandenburg und Ostmark von ihren ersten Anfängen bis zum Sommer 1934 (Kurmark. Die Geschichte eines Gaues. -- Verlag Alfr. Lindemann, Berlin W 57, 1934). Vor allem auf Grund der Mitteilungen der einzelnen Kreisleiter geschrieben, geht es sehr in die Einzelheiten und schildert u. a. unter besonderer Berücksichtigung der Personalien die Entwicklung der Bewegung in jedem einzelnen Kreise der Kurmark. Sehr knapp gefaßt ist die Geschichte der NSDAP in Thüringen < 2074>. Dies Werk enthält außer einem einleitenden Abriß über das »rote Thüringen« (1918/24) von Erich Buchmann einen kurzen Bericht vom Gauleiter (seit 30. September 1927) Fritz Sauckel über den Kampf und Sieg der NSDAP in Thüringen von Anbeginn bis zum Jahre 1933 sowie eine ausführliche Zeittafel. Die besondere Bedeutung dieses Werkes liegt in seinem reichen, mit umfassenden Erläuterungen versehenen Bildmaterial. Die Entwicklung der nat.-soz. Bauernbewegung Hessens in den letzten Jahren vor der Machtübernahme schildert der Bauernführer Wilhelm Seipel aus eigenen Erlebnissen im Anhang (S. 137--167) zu dem Buche von Eugen Schmahl < 2075> über die antisemitische Bauernbewegung in Hessen und ihren ersten Führer Dr. Otto Böckel (1859--1923).

Erwähnt seien hier ferner die Erinnerungen einzelner Kämpfer. Über die Erlebnisse mit Horst Wessel, dem Führer des Berliner SA-Sturmes 5, in den Jahren 1929/30 berichtet dessen Adjutant und alter Mitstreiter Erwin Reithmann (Horst Wessel. Leben und Sterben. -- Steuben-Verlag, Berlin 1933). Eine Ergänzung dazu bildet das Buch von Horst Wessels Schwester Inge < 2053>, das dessen Weg vom Bismarckbund über Ehrhardts Wikingbund zur NSDAP und SA auf Grund seiner bis zum Sommer 1929 reichenden Tagebuchaufzeichnungen darstellt. Die Geschichte des neben dem Sturm 5 berühmtesten Berliner SA-Sturmes, des »Mördersturmes 33«, verbunden mit einer biographischen Skizze über ihren am 30. Januar 1933 ermordeten Sturmführer Hans Eberhard Maikowski, veröffentlichten einige ungenannte SA-Männer aus eigenem Erleben mit einer Reihe von zeitgenössischen Dokumenten und Briefen aus Gefängnissen < 2068>. Schließlich erzählten die SA-Männer Alfred Roth < 2067> und Heinz Lohmann < 2071> ihre Kampferlebnisse; jener wirkte in Frankfurt a. M. und Berlin (im Sturm 5 und später 33), dieser in Schwelm, Wien und dann in Pommern, wo er von Greifswald aus besonders als Redner und Propagandist der Bewegung eine vielseitige und erfolgreiche Tätigkeit entfaltete. Vom gegnerischen Lager aus schildert unter Abdruck seiner Tagebuchaufzeichnungen der langjährige politische Außenberichterstatter des sozialdemokratischen »Vorwärts« Henning Duderstadt die politische Entwicklung in Deutschland von 1925 bis 1933 sowie seine endliche Bekehrung zu Hitler < 2024>.

Eine wirklich erschöpfende Biographie Adolf Hitlers fehlt noch immer. Hierfür kommt als Vorarbeit in Betracht die von Karl Friedrich von Frank zusammengestellte Ahnentafel Hitlers < 2362>, die dessen Geschlecht väterlicher- und mütterlicherseits bis zur fünften Generation einschließlich erfaßt und bedeutend zuverlässiger ist als die Stammtafel bei Albert Reich (»Aus


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Adolf Hitlers Heimat«. -- Verl. Eher Nchflg., München 1933, S. 22 f.; vgl. auch K. F. von Frank im: Monatsblatt der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft »Adler« XI, 15/17, Wien 1932, S. 146--149). Die Arbeit von Fritz H. Chelius über Hitlers Jugendzeit < 2033> ist insofern von Bedeutung, als der Verf. über eine genaue Kenntnis der örtlichen und zeitlichen Verhältnisse verfügt und sich für Einzelheiten auf die Berichte von Ortsansässigen stützen kann. Außer dieser frühesten Epoche hat noch ein weiterer Zeitabschnitt aus Hitlers Leben eine gesonderte Bearbeitung und zwar in doppelter Form erfahren: Über Hitlers Haftzeit auf der bayrischen Festung Landsberg a. L. (11. November 1923 bis 20. Dezember 1924) berichten, sich dabei gegenseitig ergänzend, der Strafanstaltswachtmeister Otto Lurker < 2035> aus eigenem Erleben sowie Ulf Uweson < 2034> auf Grund von Aufzeichnungen des Mitgefangenen Hans Kallenbach, der im Herbst 1923 Führer der Maschinengewehrabteilung im »Stoßtrupp Hitler« der Münchener SA war. Lurkers Darstellung, die durch die Mitteilungen zahlreicher amtlicher Aktenstücke (Schutzhaftbefehl usw.) besonderen urkundlichen Wert besitzt, beginnt bereits mit dem 11. November 1923, während Kallenbach-Uwesons Buch nach einem kurzen Abriß über die Geschichte des »Stoßtrupps Hitler« und der Mitteilung der Anklageschrift aus dem sogenannten »kleinen Hitlerprozeß« (April 1924) erst mit dem Mai 1924 einsetzt.

Sehr vergrößert hat sich nach der Machtübernahme gegenüber dem Berichtsjahre 1932 die Zahl der Werke, die sich mit den »Männern um Hitler« beschäftigen. Edgar von Schmidt-Paulis (über ihn vgl. S. 385) erstmalig 1932 veröffentlichtes Buch < 2041; 1932, S. 286> erschien nach der nationalsozialistischen Revolution in einer um ein »Nachwort« (S. 190--203) ergänzten Neuausgabe, das die durch die Machtübernahme veränderten Verhältnisse behandelt. Im übrigen ist das Werk inhaltlich in keiner Weise irgendwie verändert. Im Jahre 1935 wurde es dann vom Verf. der durch die Röhmrevolte und sonstige politische Ereignisse geschaffenen Lage angepaßt, indem er die biographischen Abrisse über Röhm, Gregor Strasser und Hermann Esser durch Abschnitte über Lutze, Hühnlein, Himmler und Dr. Ley ersetzte; ferner fiel das »Nachwort« wieder fort. Zusammen mit den Faschisten Filippo Bojano, Ruggero Vasari und Arrigo de Angelis, die hier über den Werdegang Mussolinis und neun seiner Unterführer berichten, hat R. O. Stahn ein Werk herausgegeben, in dem er selbst Adolf Hitler und ebenfalls neun seiner nächsten Mitarbeiter darstellt < 2040>. Gegenüber der Schilderung ihrer Persönlichkeit und Bedeutung im neuen Staate tritt jedoch bei Stahn das rein biographische Moment stark in den Hintergrund. Zahlreiche Auszüge aus wichtigen Reden und Schriften der betreffenden Männer druckt er im Wortlaut ab. Das Leben und Wirken eines der ältesten Mitkämpfer und des tatkräftigsten Förderers der Bewegung, Dietrich Eckart († 26. Dezember 1923), behandelt der einst mit ihm befreundete Albert Reich < 2054>. Abgesehen von Mitteilungen mancher persönlichen Einzelheit beruht der Wert dieses Werkes in seinem reichen Bildmaterial zur Geschichte der NSDAP (u. a. auch Faksimiles von Briefen, wichtigen Zeitungsnotizen usw.). Die besondere Bedeutung der Biographie Carin Görings, die aus der Feder ihrer Schwester Fanny von Wilamowitz- Moellendorff stammt < 2043>, liegt in den auf S. 68--101 abgedruckten Briefen, die Carin Göring an ihre Familienangehörigen in der Zeit vom 13. November 1923 bis 7. April 1924 von Innsbruck aus richtete, wo sie damals an der Seite


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ihres an der Feldherrnhalle schwerverletzten Gatten weilte; diese Schreiben geben dem Historiker interessante Einblicke in die damalige politische Lage und in die Hoffnungen, denen man sich zu jener Zeit in führenden Kreisen der Partei hingab.

Über mehrere nationalsozialistische Gauleiter der Kampfzeit sind ebenfalls Einzeldarstellungen veröffentlicht. Von nicht weniger als drei Seiten ist das Wirken des Reichspropagandaleiters der NSDAP und Berliner Gauleiters, des jetzigen Reichspropagandaministers Dr. Joseph Goebbels behandelt < 2046>; alle drei Bücher sind sich darin ähnlich, daß sie sich fast ausschließlich auf dessen Tätigkeit im Rahmen des Berliner Gaues beschränken und seinen Werdegang und Kampf im Ruhrgebiet (1924/26) wie auch die Anfänge seiner Ministertätigkeit nur flüchtig streifen. Die beste und auch ausführlichste Darstellung ist die des Regierungsrates im Propagandaministerium Wilfried Bade. Bei der mehr skizzenhaften Arbeit von Willi Krause, der in der Kampfzeit Schriftleiter am Berliner Gauorgan: »Der Angriff« war, spürt man deutlich, daß der Verf. aus eigenem Miterleben berichtet, während Max Jungnickel lediglich als Zeitungsjournalist und nicht als Historiker zu werten ist; seine Arbeit ist zudem sachlich weithin unzutreffend und voller Fehler. Von weiteren Gauleiterbiographien sind hier die Darstellungen über den Gauleiter Ostmark (seit 1933 Kurmark) Wilhelm Kube unter besonderer Berücksichtigung seiner Landtagsabgeordneten-Tätigkeit von G. Altensteig (Verlag Th. Weicher, Leipzig 1933), über den rheinischen Gauleiter (seit 1932 Stabsleiter der PO, seit 1933 Führer der Deutschen Arbeitsfront, seit 1935 Reichsorganisationsleiter der NSDAP) Dr. Robert Ley von Role (Hitlers Stabsleiter der PO Dr. Ley. -- Verlag Deutsche Kultur-Wacht, Berlin-Schöneberg 1934) und über den Danziger Gauleiter Albert Forster von Wilhelm Löbsack zu nennen < 2061>. Dieses letzte Buch behandelt zugleich die Geschichte des Gaues Danzig seit 1930, ebenso wie die von Paul-Willi Jakubaschk verfaßte Biographie des am 4. Dezember 1934 von Hitler aus der NSDAP ausgeschlossenen schlesischen Gauleiters Helmut Brückner < 2062> gleichzeitig die Entwicklung des schlesischen Gaues seit seiner Gründung (1925) schildert. Eine Sammlung von ganz knappen Gauleiterbiographien finden wir in der von Klaus Ekkehart herausgegebenen Schrift über die elf deutschen Reichsstatthalter < 2050>, die alle mit Ausnahme des Generals von Epp gleichzeitig den Posten eines Gauleiters der NSDAP bekleiden. Über Reichsstatthalter von Epp besitzen wir eine ausgezeichnete umfangreiche Biographie aus der Feder Walter Franks < 2051>, der den Lebensweg des hochbedeutenden Offiziers und Politikers im Rahmen der politischen Ereignisse und Ideenwelt besonders der Nachkriegszeit zur Darstellung bringt. Eingehend ist Epps Weg zu Adolf Hitler behandelt. Dieses Buch unterscheidet sich grundlegend von fast allen übrigen, die sich mit irgendeinem Thema aus der Geschichte der Bewegung beschäftigen, dadurch, daß es nicht wie diese von einem politischen Schriftsteller, sondern von einem politischen, wissenschaftlich aufs beste geschulten nationalsozialistischen Historiker verfaßt ist. Von ausschlaggebender Bedeutung war es für den Verfasser, daß er Epps eigene Aufzeichnungen wie Tagebücher und Briefe in vollem Umfange benutzen konnte.

Abgesehen von den Gauleitern und Reichsstatthaltern liegen auch noch über mehrere andere Nationalsozialisten, die bereits während der Kampfzeit


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eine wichtige Rolle gespielt haben, biographische Darstellungen vor. Den Lebensgang des jetzigen Reichsinnenministers Wilhelm Frick, der seit 1928 Führer der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion und 1930/31 der erste nationalsozialistische Länderminister war, hat in kurzen Zügen auf Grund gedruckten Materials Hans Fabricius dargestellt < 2047>, der in Fricks thüringischer Ministerzeit unter ihm in der dortigen Staatsverwaltung gearbeitet hat. Der jetzige Reichsernährungsminister und Reichsbauernführer Walter Darré, während der Kampfzeit der Organisator des deutschen Bauerntums im Rahmen der NSDAP, fand in dem Stabsleiter des Amtes für Agrarpolitik Hermann Reischle einen Biographen < 2048>. Ein breiter Raum ist hier besonders der wissenschaftlichen Entwicklung Darrés vor seinem Eintritt in die Bewegung (1930) gewidmet. Die von Hans Henning Freiherr Grote und Arbeitsführer Herbert Erb verfaßte Darstellung über den Staatssekretär für den Arbeitsdienst Konstantin Hierl (1929/32 Reichsorganisationsleiter II der NSDAP) < 2057> greift über den Rahmen einer einfachen Biographie dadurch hinaus, daß hier gleichzeitig ein kurzer Aufriß über die Geschichte des Arbeitsdienstes von seinen Anfängen bis zum Ende des Jahres 1933 dargeboten wird. Für die Bearbeitung des Buches standen den Verf. persönliche Aufzeichnungen, Briefe und Archivalien in größerem Umfange zur Verfügung. Die Entwicklung und Wirksamkeit des Wirtschaftsprogrammatikers der Bewegung Gottfried Feder schildert unter besonderer Berücksichtigung seiner Wirtschafts- und Geldtheorien und unter reichlicher Beigabe von Auszügen aus seinen Schriften sein Mitarbeiter in Währungsfragen Arthur R. Herrmann < 2056>. Erwähnt sei schließlich noch die Schrift über den einstigen Reichsbetriebszellenleiter der NSDAP Walter Schuhmann aus der Feder seines alten Mitkämpfers Hans Biallas < 2058> (z. Zt. Hauptschriftleiter der Zeitschrift: »Arbeitertum«), der damit zugleich einen wichtigen Abschnitt aus der Parteigeschichte Neuköllns, Schuhmanns erster Wirkungsstätte, behandelt. Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Bewegung in der Reichshauptstadt waren neben dem Berliner Gauleiter Dr. Goebbels vor allem Dr. Julius Lippert, der frühere Hauptschriftleiter des »Angriff«, Führer der nationalsozialistischen Stadtverordnetenfraktion und jetzige Staatskommissar Berlins, dessen Lebensweg und Leistungen Waldemar Wenzel zum guten Teil aus eigenem Miterleben schildert < 2060>, und dann Johannes Engel, der Gründer der Betriebszellenorganisation (NSBO) der NSDAP, dessen Tätigkeit besonders auf diesem Gebiete Günther Adam in sehr sorgfältiger Weise zur Darstellung bringt < 2059>.

Außer diesen Biographien sind in den beiden Berichtsjahren auch noch mehrere für den Historiker wichtige Werke von in Partei und Staat führenden Männern erschienen. Vom Reichspropagandaminister Dr. Goebbels wurden -- abgesehen von den bereits in anderem Zusammenhange besprochenen Tagebuchaufzeichnungen: »Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei« (oben S. 385) -- drei Sammlungen seiner Reden veröffentlicht. In der von Hein Schlecht besorgten Auswahl < 2044>, die sechs Reden aus der Kampfzeit (1929/32) und sieben aus dem Jahre 1933 enthält, sind die einzelnen Reden durch entsprechende Stimmungsbilder des Herausgebers eingeleitet. Einen Auszug aus diesem Buche stellt das von Werner Beumelburg herausgegebene Bändchen dar, in dem nur sieben dieser Reden (1929/33) ohne verbindenden Text abgedruckt sind (»Goebbels spricht«. Reden aus Kampf und Sieg. -- Verl. G. Stalling, Oldenburg


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1933). Die bei weitem umfangreichste Publikation ist aber die des Parteiverlages der NSDAP mit fünf Reden aus der Kampfzeit (1927/32) und zwanzig aus den Jahren 1933/34 (nur zwei der letzteren finden sich auch in Schlechts Ausgabe) (Signale der neuen Zeit. 25 ausgewählte Reden von Dr. Joseph Goebbels. -- Zentralverlag der NSDAP, München 1934). Die Schrift des preußischen Ministerpräsidenten und Reichsluftfahrtministers Hermann Göring < 2042>, der seit den Septemberwahlen von 1930 Hitlers politischer Beauftragter in Berlin war, seit dem 30. August 1932 außerdem den Posten des Reichstagspräsidenten bekleidete und so die entscheidenden politischen Vorgänge aus nächster Nähe miterlebte, ist infolge des Fehlens von Einzelheiten weniger eine Geschichtsdarstellung, wenn ihr auch der Historiker manche wichtige Notiz entnehmen kann, als vielmehr eine politische Betrachtung über Deutschlands Entwicklung seit 1918. Den Schluß bildet ein Bericht Görings über sein Vorgehen als preußischer Innenminister und Ministerpräsident. Von besonderer Bedeutung ist aber die Sammlung von 65 ausgewählten Aufsätzen, die der jetzige Reichsleiter der NSDAP Alfred Rosenberg seit 1923 in der Hauptsache im »Völkischen Beobachter« veröffentlicht hat und in denen er vom nationalsozialistischen Standpunkt aus zu den verschiedensten Fragen der deutschen Außen-, Innen- und Kulturpolitik Stellung nimmt < 2055>.

Von Sondergliederungen der Partei sind nur zwei unter historischen Gesichtspunkten dargestellt worden: die Hitler-Jugend (HJ) und die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO). Der Reichsjugendführer der NSDAP, Baldur von Schirach, hat in seinem Buche über die HJ, das im übrigen Gegenwartsfragen gewidmet ist, im Rahmen eines kurzen Kapitels erstmalig die bisher weiteren Kreisen gänzlich unbekannte Entwicklung der Hitler-Jugend von 1925 bis 1933 geschildert < 2069>. In ähnlicher Weise ist in Gerhard Starckes (z. Zt. stellv. Hauptschriftleiter der Zeitschrift: »Arbeitertum«) Werk über Ziel und Aufgabe der NSBO und der Deutschen Arbeitsfront in einem besonderen Abschnitt der Werdegang der NSBO ziemlich eingehend behandelt < 2064>. Brauchbar sind auch seine hier (in Kap. 13) vereinigten knappen biographischen Abrisse über die in der Arbeiterbewegung führenden Nationalsozialisten.


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