§ 29. Rassenkunde

(R. Grau)

Ein schneller Blick über das hier darzustellende rassenkundliche Schrifttum zweier Berichtsjahre zeigt, daß die Forschung auch in diesem Zeitraum im wesentlichen in zwei Richtungen gearbeitet hat: Auf der einen Seite suchte sie dem Werden und Wirken der europäischen Rassen, im besonderen der Nordischen Rasse, in Vergangenheit und Gegenwart nachzuspüren. Zum anderen aber ergänzte sie durch metrische und vergleichende Aufnahmen kleinerer oder größerer Gebiete unser Wissen von der heutigen Verteilung der einzelnen Rassenelemente,


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um hierdurch etwa alte siedlungsgeschichtliche Zusammenhänge aufdecken zu helfen.

I. Das von R. L. Fahrenkrog herausgegebene Buch < 1825>, eine Sammlung von Aufsätzen verschiedener Verfasser, will so einer jener tastenden Versuche sein, der geschichtliche Vorgänge verständlich machen will aus den in den Völkern wirksamen rassischen Kräften, der prüfen will, welchen Einfluß das Erleben der Völker auf ihre rassische Zusammensetzung durch Auslese, Ausmerze und Rassenmischung hat, und der damit einer neuen Wertung der geschichtlichen Vorgänge zum Siege verhelfen will, die zuerst fragt: Dient dies Geschehen auch der Gestaltung der völkischen Persönlichkeit oder wirkt es nur im Sinne einer übervölkischen und damit unorganischen Einheit und Gleichheit? So ist es erklärlich, daß die einzelnen Aufsätze den oft im Verborgenen wirkenden übervölkischen Mächten: Juden, Freimaurerei, Jesuiten, Christentum, Papsttum, wie auch der Weltreichidee, besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Die Titel der Aufsätze, die zwischen den beiden knappen, klaren Zusammenfassungen der wichtigsten rassenbiologischen Tatsachen von Walter Groß und W. Hüttig am Anfang und Ende des Buches aufgereiht sind, deuten die Art an, in der der Stoff geboten wird: Kurze Rassengeschichte des griechischen Volkes, Italien, Spanien und Portugal, Frankreich, England, Die Geschichte des isländischen Volkes, Rassenkundliche Betrachtungen der dänischen Geschichte, Norwegen, Schweden, Slawen, Slawentum und Rußland, Das Ringen unseres Blutes. Die Gefahren eines solchen Sammelwerkes (Uneinheitlichkeit, gelegentliche Widersprüche) konnten auch hier nicht ganz umgangen werden. So treten z. B. einmal die Basken als vorwiegend ostisch, dann als westisch mit ostischen und nordischen Beimischungen auf. Auch eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten fallen auf; so, wenn die Lausitzer Kultur als slawisch, die germanischen Bastarnen als keltisch angegeben, die Slawen schon für vorchristliche Jahrhunderte in Mitteleuropa angesetzt werden, die Germanen schon »seit einigen Jahrzehntausenden« auf der Geschichtsarena aufgetaucht sein sollen. Vorbildlich scheint mir der Aufsatz von Mjöen über Norwegen in seiner prägnanten Kürze. Ob nicht vielleicht doch besser das ganze skandinavische Gebiet hätte zusammengefaßt werden müssen? -- Vom rassischen Gesichtspunkt aus wird jede Geschichte Europas, ja der größere Teil jeder Weltgeschichte, zugleich eine Geschichte der Nordischen Rasse und -- da in der Vorzeit Indogermanen und Nordische Rasse identisch sind -- der Indogermanen sein müssen. So ergibt sich, daß Reches eingehende Untersuchungen <1936, 1700> eine Hauptgrundlage für jede Darstellung der Rassengeschichte Europas bilden müssen. Im Gegensatz zu den Anschauungen einer Reihe von Forschern, z. B. v. Eickstedts, über den asiatischen Ursprung des Indogermanentums und damit der Nordischen Rasse, führt uns R. an Hand von Schädelfunden mit nordischem Gepräge Schritt für Schritt bis zum Vorfahrenkreis der Nordischen Rasse in der Altsteinzeit Europas zurück, damit die europäische Herkunft der Nordischen Rasse erweisend. Chancelade, Berghausen und besonders Unter-Wisternitz sind Funde von Erstformen, Brünn, Combe Capelle, Předmost wohl Vorfahrenformen dieser Rasse. Sie muß sich, worauf auch ihre geistig-seelischen und physiologischen Erbanlagen hinweisen, im maritimen Klima der feuchtkühlen Perioden vor den Eisvorstößen der Würm-Eiszeit in West-, Nordwest- und Teilen Mitteleuropas aus der »alteuropäischen Langkopfgruppe« (= Nordische,


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Fälische und Westische Rasse) herausgebildet haben, zu deren Urvorfahren wohl der Fund von Steinheim gehört. Die Megalith-, Schnur- und Bandkeramische Kultur sieht R. als Kerngebiet der nordischen Indogermanen an, von wo sie sich nach der Balkanhalbinsel und Südrußland (»Bemalte Keramik«) und von hier aus nach Sizilien, Griechenland, Kleinasien, Turkestan (Fundorte Anau, Schah-Tèpe), China (Yang-Schao-Kultur), Südwestpersien (Susa, Mussian), Mesopotamien (vorsumerische Schichten in Ur, Kisch, El-Obeid), Südost- Belutschistan und Nordwestindien (Mohenjo-Daro, Harappa) in der Jungsteinzeit und Stein-Kupferzeit ausgebreitet haben. Um 5000 v. Chr. müssen sie auch bereits nach Ägypten gekommen sein (Gräber von Negada mit Langschädeln und blonden Haaren). Ein wahrhaft großartiges geschichtliches Gemälde, das R. hier vor unseren Augen entwirft! -- In der These von der europäischen Heimat der Nordischen Rasse findet Reche eine Stütze auf prähistorischer Seite im Aufsatz von Hülle <1936, 1702>, der eine Handspitzenkultur aufstellt, die sich von der Altsteinzeit Nordeuropas bis in die Jungsteinzeit hinein fortsetzt und deren Träger wohl die Nordische Rasse ist. Nicht aber will Hülle die Bandkeramik und ihre Ausstrahlungen als nordrassische Kultur gelten lassen. Auf der anderen Seite nimmt Grahmann <1936, 1703> der v. Eickstedtschen These von der asiatischen Heimat der Nordischen Rasse die Wahrscheinlichkeit und macht die von der europäischen Herkunft damit wahrscheinlicher, indem er aufzeigt, daß die klimatischen Bedingungen im asiatischen Raum in der Entstehungszeit der Nordischen Rasse andere waren, als sie v. Eickstedt annimmt: Die »sibirische Tasche« hat nie als »Menschenfalle« wirken können. -- Faßt Reche die hellen Langkopfformen Nordeuropas (Nordische und Fälische Rasse) aufs engste zusammen, sieht er sie -- wenn nicht als »Spielarten der Nordischen Rasse« -- so doch als »nordeuropide Gruppe der alteuropäischen Langschädel«, so sucht Perret < 1828> in einer ausgezeichneten Arbeit die Existenz der Cro- Magnon-Rasse (= Fälische Rasse) als selbständige Rasse von der Jungsteinzeit bis zur Jetztzeit, also über mindestens 5000 Jahre, darzulegen, wenn er auch die nahe Verwandtschaft beider Rassen nicht leugnen kann. P. weist das Vorkommen des Cro-Magnon-Typs in der jungsteinzeitlichen Altendorfer Steinkiste (Niederhessen) nach und verfolgt dann denselben Typ in jüngeren Funden desselben Gebietes: in den früh- bis mittelbronzezeitlichen Hügelgräbern bei Escheberg und Molzbach. Dann klafft eine Lücke von 1500 Jahren mangels Fundmaterials. Jedoch in den frühma.'lichen Reihengräberfriedhöfen von Hilmes, Mardorf und Goddelsheim, in der spätma.'lichen Wüstung von Bellershausen und ebenso in der heutigen Bevölkerung Niederhessens tritt er unzweifelhaft wieder auf, wie die Untersuchungen an einem ausgelesenen Material von etwa 100 Familien (6--700 Personen) beweisen. Birgt diese Arbeit viel neues Material zur Kennzeichnung der Fälischen Rasse, so erweist sie gleich Niederhessen als ein Gebiet mit starkem fälischen Einschlag und schlägt damit die Brücke zur zweiten Gruppe der hier besprochenen Arbeiten.

II. Aus einem benachbarten Gebiet, vom Vogelsberg Oberhessens, bringt Brigitte Richter <1936, 1709> die eingehende Untersuchung zweier Dörfer (Burkhards und Kaulstoß) mit 229 Männern und 228 Frauen. Die Rassenbestimmung ergab bei 53 Prozent der Untersuchten 18 Prozent Nordische, 20 Prozent Fälische, 8 Prozent Dinarische und 7 Prozent Ostisch-Alpine Rasse, also auch hier ein hoher Anteil des Cro-Magnon-Typs. Die wichtigsten Maße zeigen


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die Bevölkerung mittelgroß (169,7 cm Männer, 158,0 cm Frauen) mit zwar langem (192,4 mm Männer, 183,9 mm Frauen), aber mittellangförmigem Kopf (Längenbreitenindex: 82,8 Männer, 83,4 Frauen), breitem bis mittelbreitem Gesicht (Gesichtsindex: 84,4 Männer, 80,9 Frauen), schmaler, zu 60 Prozent gerader oder welliger Nase. Die Augenfarbe ist bei Männern zu 49,2 Prozent blau, 37,4 Prozent gemischt, 13,4 Prozent braun, bei Frauen 29,9 Prozent blau, 49,8 Prozent gemischt und 20,3 Prozent braun. Die Haare werden als zu 54 Prozent blond bei Männern (50,7 Prozent bei Frauen) angegeben. Eine ausführliche Bevölkerungsbiologie und reiche erbkundliche Beobachtungen ergänzen die Arbeit. -- Wenig östlich des Vogelsberges wurde über eine Reihe von Dorfuntersuchungen von Dausacker < 1829>, Reppert < 1831> und Pfister < 1832> berichtet, die im Rahmen des Dr.-Hellmuth-Planes in dem mainfränkischen Teil der Rhön durchgeführt wurden. Die beobachteten Anteile der drei Hauptrassen wechseln dabei recht stark: ist Geroda und Platz zu drei Vierteln Nordisch, einem Achtel Ostisch und etwa einem Zehntel Dinarisch, das Gebiet um Fladungen zu 60 Prozent Nordisch, 30 Prozent Ostisch und 7 Prozent Dinarisch, so setzt sich Langenleiten etwa zur Hälfte aus Nordischen, einem Drittel aus Ostischen und einem Sechstel Dinarischen Elementen, Volkers und Speicherz zu 28 Prozent aus Nordischen, 8 Prozent Dinarischen, 6 Prozent Ostisch-Alpin bestimmten Anteil zusammen. Die Fälische Rasse ist hier also nur gering noch vertreten. Die Körperhöhe ist mittelgroß und schwankt um die Werte 165,6 cm, 167,2 cm und 166,4 cm für Männer (156,8 cm, 156,3 cm und 156,5 cm für Frauen). Die Kopfform ist mäßig bis stark rundförmig (Längenbreiten-Index: Männer 84,2, 82,8, 81,8; Frauen 85,2, 83,7, 84,1). Das Gesicht ist breit bis mittelbreit (Gesichtsindex: Männer 83,7, 81,9, 84,7; Frauen 81,1, 79,6, 81,5). Der Nasenrücken ist überwiegend gerade, konkave Formen sind ziemlich selten. Die Augenfarbe ist meist gemischt (Männer 52,3 Prozent, 51,0 Prozent, 56,1 Prozent; Frauen 54,8 Prozent, 51,4 Prozent, 63,2 Prozent), häufig blau (Männer 43,1 Prozent, 43,9 Prozent, 31,5 Prozent; Frauen 37,4 Prozent, 42,1 Prozent, 18,4 Prozent) und recht selten braun; nur Volkers und Speicherz erreichen einen Anteil von 12,4 Prozent (bzw. 18,4 Prozent bei Frauen) braunen Augen. Die bekannte Tatsache, daß Augen- und Haarfarben nicht vollkommen parallel gehen, zeigt sich auch in diesen Untersuchungen: blonde Haare haben 21,3 Prozent, 17,8 Prozent und 46,5 Prozent der Männer (18,6 Prozent, 19,4 Prozent und 32,0 Prozent der Frauen), braune Haare 42,7 Prozent, 43,8 Prozent und 31 Prozent der Männer (44,8 Prozent, 48,5 Prozent, 37,0 Prozent der Frauen) und braunschwarze Haare 35,7 Prozent, 37,2 Prozent, 20,8 Prozent der Männer (bzw. 36,6 Prozent, 30,3 Prozent und 26 Prozent der Frauen). Dort, wo der geringste Anteil heller Augen sich findet, zeigt sich der höchste Prozentsatz blonder Haare! -- Aus dem gleichen in der Rhön gewonnenen Material wählt Schmidt-Kehl < 1830> 3 Dörfer aus (Langenleiten und Platz mit Geroda), um in einer aufschlußreichen Gegenüberstellung, unter Heranziehung bevölkerungsbiologischer Tatsachen, eine Wertung der Bevölkerungsvorgänge vorzunehmen. Dabei muß er feststellen, daß in beiden Dorfgruppen seit 1700 ein »Rückgang der anthropologisch faßbaren Rassenmerkmale der Nordischen Rasse und der geistigen Begabung« stattgefunden hat und daß dieser Rückgang in den nordischeren und erbtüchtigeren Platz und Geroda ungleich beträchtlicher ist. Methodisch fußt die Untersuchung auf der

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Scheidtschen Erhebung in Finkenwärder. -- Aus dem Südosten des deutschen Volksgebietes sind in der Berichtszeit zwei Arbeiten erschienen: über die Bauern des Burzenlandes und über das Burgenland. A. Hermann < 1836> hat mit 5000 Untersuchten ein durchaus repräsentatives Material für diese Burzenländer Gruppe der Siebenbürger Sachsen zusammengetragen. Die Rassenzusammensetzung gibt er an mit wesentlich Nordisch, geringem Fälischen Anteil, 10 Prozent Dinarisch und etwa 30 Prozent Ostisch-Alpin. Die Burzenländer sind mit 169,2 cm (Frauen 157,6 cm) mittelgroß bis groß. Der Kopf ist mittellang bis lang (Männer 188,9 mm, Frauen 181,2 mm) und mäßig rundförmig (Längenbreitenindex: 82,0 bei Männern, 82,3 bei Frauen). Das Gesicht ist lang und schmal (Gesichtsindex: 88,1 bei Männern, 85,2 bei Frauen), die Nase schmal. Blonde Haare finden sich bei 20,5 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen, helle Augen dagegen bei 49,16 Prozent der Männer (dunkle bei 29,89 Prozent) und 42,91 Prozent der Frauen (dunkle bei 36,99 Prozent). Die Arbeit wird eingeleitet durch einen umfangreichen Teil über die Geographie, Geschichte, Bevölkerungsbiologie, Volkskunde und Volkskunst dieses Gebietes. -- In seiner hinterlassenen Studie < 1835> sucht V. Lebzelter einen Überblick über die rassische Zusammensetzung der burgenländischen Bevölkerung zu geben. Aufgenommen wurden 2,79 Prozent der Gesamtbevölkerung, nämlich 3163 Deutsche, 632 Kroaten, 189 Ungarn und 160 Juden; von der deutschen erwachsenen Bevölkerung sind es 14,2 Prozent (in den einzelnen Ortschaften zwischen 6,5 und 41,7 Prozent). Es wurden von jeder Person 10 Maße genommen (die Körperhöhe leider in Schuhen -- eine erhebliche Fehlerquelle) und die Haar- und Augenfarben, wie auch der physiognomische Rassentypus beobachtet. Die Ergebnisse werden nach Gemeinden und Bezirken geordnet dargeboten. Die Körperhöhe schwankt für die Männer zwischen 163,3 und 167,4 cm im Durchschnitt, ist also bei den Deutschen des Burzenlandes durchschnittlich mittelgroß. Der Kopfindex bewegt sich zwischen 80,44 und 88,14, ist demnach meist langförmig, mit kurz- und rundförmigen Nestern. Der Gesichtsindex ist vorwiegend mittel- bis langgesichtig (79,72--91,89). Helle Augenfarben finden sich bei 44,2 bis 75,3 Prozent, helle Haarfarben bei 29,4 bis 50,1 Prozent. An Rassentypen unterscheidet Lebzelter im Burgenland allein 21 verschiedene. Da die Lebzelterschen Rassentypen sich nicht in allen Punkten mit den von den übrigen deutschen Forschern anerkannten decken, lassen sich seine Ergebnisse nicht ohne weiteres in den bekannten Rahmen einordnen. Für eine eingehende Vergleichung ist hier der Raum nicht gegeben. Das Gesamtbild bezeichnet L. als nordisch-atlantomediterran-norisch mit dinarischen Einschlägen im Süden, d. h. also nordisch-dinarisch bestimmt. Er unterscheidet je nach dem Vorherrschen des einen oder des anderen Elementes einen Heidebauern-, siebenbürgisch-sächsischen, Piringsdorfer (den Niederösterreichern gleichend), Heanzen- und südbayrischen Schlag. Da er die nordisch-atlantomediterrane Mischung als typisch nordwestdeutsche Mischung ansieht, kommt er zu dem durch siedlungs- und volkskundliche Befunde erhärteten Ergebnis, daß »die deutsche Besiedlung des Alpen-Ostrandes im Burgenland in ihren wesentlichen Teilen auf die Zeit vor der ungarischen Landnahme zurückgehe«. Leider fehlen Abbildungen der vorgefundenen Rassentypen vollständig. Da noch weitere Rassenuntersuchungen im Burgenlande von anderer Seite in Arbeit bzw. noch nicht veröffentlicht sind, gilt es, diese vor einem abschließenden

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Urteil abzuwarten. -- In der Rassengliederung nähert sich Lebzelter stark der von Czekanowski. Mit Czekanowski verbindet ihn auch die Anschauung, daß eine wesentliche Komponente des Germanentums der mediterrane bzw. atlantomediterrane Typ (= dunkelfarbige Abart der Nordischen Rasse) ausmacht, einer der Unterschiede zwischen den Arbeiten der polnischen und deutschen Anthropologen, der sich auf die Auseinandersetzungen über die Rassengliederung besonders der schlesischen Bevölkerung auswirkt. Czekanowski < 1827> gibt mit Hilfe der von ihm entwickelten statistischen Methoden (Typenfrequenz-, Mittelwertgesetz) allein auf Grund von Kopfindex-Mittelwerten die Rassenzusammensetzung Schlesiens, Sachsens und Nordostbayerns als vorherrschend lapponoid (= ostisch-alpin) mit unbeträchtlichen mediterranen und armenoiden (= dinarischen) Beimischungen an. Da, so schließt er, die frühgeschichtlichen germanischen Stämme vorherrschend mediterran waren, müßte ein westgermanischer Einfluß in Schlesien sich durch Erhöhung des mediterranen Anteils anzeigen, was nicht der Fall ist. So soll die jetzt nachweisbare nordische Beimischung auf den tiefen slawischen Einfluß zurückzuführen sein, zumal das Nordische Element nach Nordosten zu zunehme. -- Auf den Thesen und Methoden Czekanowskis fußend, entwickelt Żejmo-Żejmis <1936, 1710> die Anschauung, daß die »vorgermanische« Bevölkerung Süddeutschlands vorwiegend ostisch und dinarisch gewesen sei; die Keltisierung und spätere Germanisierung habe nur den nordischen und von den Germanen her den mediterranen Anteil gesteigert. Die weitreichenden Schlüsse haben nur eine schmale Basis: die 43 von Mühlmann untersuchten badischen Schädel aus dem 16.--18. Jh.

Dem gegenüber bringt E. v. Eickstedt <1936, 1708> einiges Material aus den schlesischen Rassenuntersuchungen des Breslauer Institutes (1937: 60_000 Untersuchte aus 35 Kreisen). Dieses Material, das Czekanowski noch nicht kennt, erweist, daß das nordische Element in Schlesien das weitaus zahlreichste ist, neben vor allem osteuropider (= ostbaltischer) und dinarischer Beimischung, letztere besonders im Südwesten. Die verhältnismäßig hohen Werte des Kopfindex werden als räumliche Variationen gedeutet. Schwidetzky < 1826> weist weiter darauf hin, daß Czekanowskis Gruppe der Nordischen auch das osteuropide Element mit umfaßt, daß Czekanowskis Auffassung vom Wesen der Rasse, die sich durch starre Zahlentypen aus wenig Merkmalen festlegen lasse, sich nicht mit der der deutschen Anthropologen deckt und daß seine rassische Einordnung der Germanen von der üblichen abweicht. Unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen heben sich die Differenzen in der Rassengliederung der schlesischen Bevölkerung durch die polnischen und deutschen Rassenforscher fast auf. In einem weiteren Aufsatz zeigt I. Schwidetzky (Der Geltungsbereich des sog. »Typenfrequenzgesetzes«. In: Z. Rassenkde., Bd. 3, S. 156--161), daß das der Czekanowskischen Schule als Ausgangsbasis aller Arbeiten dienende Typenfrequenzgesetz »eine Rechenregel ohne biologischen Aussagewert ist.«


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