§ 46. Posen, der Warthegau und das Deutschtum in Polen

(A. Lattermann)

(Die einfachen Nummern in Winkelklammern beziehen sich auf die Haupt- bibliographie, die mit einem Stern ausgezeichneten Nummern in Winkelklam- mern auf die Sonderbibliographie dieses Berichtes <S. 412>.)

I. Hilfswissenschaften.

Die wertvolle Bücherkunde der Stadt Posen des ehemaligen polnischen Direktors der Raczynski-Bibliothek, A. Wojtkowski < 1>, ist ein Teildruck aus seiner mit den Buchstaben »St« steckengebliebenen Bücherkunde des Gesamtgebietes, in dem nach Vollendung des Teiles über die Personen die Einzelorte behandelt wurden. Der Teildruck ist in 38 Abteilungen gegliedert, zuletzt auch den Kreis umfassend, und enthält auch ein Sachverzeichnis.

II. Politische Geschichte und Volksforschung.

In einem kleinen Beitrag über Misikows (Mieszkos) Tributpflicht bis zur Warthe begründet H. Ludat < 834> den Standpunkt der deutschen gegenüber der polnischen Wissenschaft. -- Das im allgemeinen ungünstige Verhältnis Königs Kasimir d. Gr. gegenüber der Stadt Posen stellt Z. Kaczmarczyk in einem polnischen Zeitschriftenaufsatz dar < 2>. Darin ist wohl eine Nachwirkung der feindlichen Stellungnahme der überwiegend deutsch bevölkerten Stadt, die die schlesischen Piasten begünstigte, gegenüber Kasimirs Vater zu sehen. -- Ein neues großes Werk von Dr. K. Lück behandelt nach der polnischen Vorarbeit von Jan Bystroń: »Megalomanja Narodowa« und unter Mitwirkung vieler Helfer, die den umfangreichen Stoff ergänzt haben, den Mythos vom Deutschen, wie er sich in der polnischen Volksüberlieferung und Literatur äußert < 1635>. Mit einem riesigen wissenschaftlichen Apparat wird die seelische Einstellung gegenüber dem deutschen Volkstum, das den Polen in dem deutschen Siedler, Industrievorkämpfer usw. entgegentrat, dargestellt. Sie ist meist verständnislos ablehnend und hat zu dem alten Sprichwort von der Unüberbrückbarkeit des deutsch-polnischen Gegensatzes geführt, vgl. die Besprechung in »Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift für Polen« (abgekürzt: ZP.), H. 35, S. 262 f. -- Eine genaue Untersuchung der Herkunft und Volkszugehörigkeit der Krakauer Studenten des 15. Jh.'s hat H. Franze < 1755> geliefert. Danach überwogen damals durchaus die Deutschen und unter diesen die Schlesier im Stammes-, nicht Provinzialsinn. Diese stellten über drei Viertel aller deutschen


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Studenten in Krakau und über die Hälfte aller Studenten überhaupt. Sorgfältige Aufstellungen und eine große Karte verdeutlichen die Ergebnisse der mühseligen Durchforschung der Universitäts-Matrikeln. -- Der ehemalige Posener Professor für ma.'liche Geschichte, K. Tymieniecki < 1637>, behandelt die Verpolung der Deutschen in den Städten des Gebietes im gleichen Jh. auf Grund der Gerichtsbücher. Dabei findet er für Fraustadt 100, Meseritz 50, Posen und Kosten 33 v. H. deutsche Namen, für alle anderen weniger, während die Berücksichtigung auch anderer Quellen z. T. höhere Sätze zeigt. Bis zum Einsetzen der noch erhaltenen Gerichtsbücher des 15. Jh.'s dürften schon in kleinerem Maße Verpolungen vorgekommen sein, vgl. ZP. 36, S. 280. Die Zusammenstellung Tymienieckis ergänzt nützlich das frühere Schrifttum über die Frage. -- Der Breslauer Professor A. Aubin verfolgt in einem lehrreichen Zeitschriftenaufsatz den oberdeutschen Wanderzug im Spät-MA. nach dem Nordosten< 1709>, und zwar besonders die Nürnberger. Diese drangen hauptsächlich nach Krakau, Rotreußen, Posen und darüber hinaus vor und traten mit den Hansen in Wettbewerb. Erfreulicherweise wird in dem Aufsatz auch das Schrifttum, allerdings nur das deutsche, genannt. -- Ein kurzer, aber wertvoller Aufsatz von E. Lendl über die Bedeutung der deutschen Volksinseln im Osten für den Auf- und Ausbau fremder Volksböden < 3> wird hier genannt, weil er neben Ungarn usw. auch unser Gebiet mit berücksichtigt, ebenso einer von W. Kohte zur Volkstumsentwicklung Posens und Westpreußens < 1713>.

Im Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums ist u. a. im Berichtsjahr auch Galizien behandelt worden < 4>, meist von Prof. W. Kuhn, außerdem von W. Czajka, G. Ipsen, D. Frey, A. Karasek, J. Kraemer und R. F. Scholz. Mit seinen 22 Karten, Flurplänen usw. ist es jetzt nach dem Buch von W. Kuhn: »Die jungen deutschen Sprachinseln in Galizien« die maßgebende Darstellung für diese Volksgruppe, die inzwischen ins Wartheland übergesiedelt ist. -- Ähnlich wie andere Volksgruppen des ehemaligen polnischen Staates in Heften des schönen Kauderschen Bildbandes »Das Deutschtum in Polen« behandelt worden waren, geschieht es nunmehr für das Deutschtum in Mittelpolen durch den tragischerweise als Reserveoffizier des polnischen Heeres und durch deutsche Fliegerbomben gefallenen Volkstumsforscher A. Breyer < 1650>, der auch die ausgezeichnete Karte der deutschen Siedlungen beigesteuert hat, vgl. ZP. 35, S. 265. -- Diese wichtige Karte hat Breyer auch an anderer Stelle < 6> veröffentlicht. Sie enthält jedes einzelne deutsche Dorf, getrennt auch nach der Stammeszugehörigkeit der Bewohner, in mehreren bunten Farben, so daß eine leichte Übersicht möglich ist. Zu dieser Frucht jahrzehntelangen Forschens hat der Verfertiger einige erklärende Bemerkungen beigesteuert. -- Von anderen Gesichtspunkten aus ist die Karte von F. Doubek über die zahlenmäßige Verbreitung des Deutschtums in Mittelpolen ausgezeichnet, wobei je 1000 und 100 Menschen unterschieden werden < 5>. -- In einer volkstümlichen Posener Schriftenreihe wird wiederum für 3 Orte und ihre Umgebung die Geschichte des dortigen Deutschtums unter Beifügung von Winken für die Familienforschung in der Gegend fortgesetzt. Ein erweiterter Sonderdruck aus einem Kalender von K. Otto (Otto Schendel) behandelt so Czarnikau < 292>, wobei sich der Verf. auf Vorarbeiten des Heimatforschers J. Klemm stützen konnte. -- Auf Grund


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von Forschungen in 9 Archiven und des Schrifttums hat uns A. Breyer eine Geschichte von Deutscheneck (früher Sompolno), Kr. Warthbrücken (Koło), geschenkt < 290>, die die von den deutschen Siedlern im 18. und 19. Jh. geleistete Riesenrodearbeit und ihre sonstigen Leistungen darstellt. -- Der im Kriege von den Polen schwer verwundete M. Grossert hat ferner die Geschichte des Deutschtums in Rosenau, Kr. Mogilno, und der dortigen Volksinsel < 291> geliefert. Hier sind altansässige Bauern und Ansiedler aus verschiedenen Gegenden zusammengekommen. Wie bei den meisten Heften der Reihe, geben zahlreiche Listen von vorkommenden Bewohnern und Angaben über die zuständigen evangelischen und katholischen Kirchspiele und das Alter ihrer Kirchenbücher Familienforschern dankenswerte Hilfen. -- Ein erfreulicher Beitrag zur Geschichte der Kultureinwirkungen und -leistungen des Deutschtums im alten Polen ist ein Aufsatz von A. Klose über deutsche Komponisten, Musiker und Musikgelehrte und ihren Einfluß auf das polnische Musikleben < 7>. Eine Anzahl Musiker werden nur kurz erwähnt, andere genauer behandelt. Der bedeutendste war wohl der schlesische »Schöpfer der polnischen Musik«, Josef Xaver Elsner, der Lehrer von Chopin und Moniuszko. -- Eine Sammlung von 1400 Sagen der Deutschen aus Wolhynien und Polesien haben A. Karasek-Langer und E. Strzygowski herausgebracht < 9>. Dieses Buch wird hier mitgenannt, weil ersterer das geschichtliche Werden, die Schicksale und Entwicklung der Einwanderung, das Neustammwerden mitbehandelt. Das Sagengut kennzeichnet er als Sinnbild der Entstehung dieses jüngsten und biologisch entsprechend fruchtbaren Stammes, der nunmehr auch in den Warthegau heimgeholt ist, vgl. ZP. 35, S. 328 f. --

In einem polnischen Zeitschriftenaufsatz behandelt A. Skałkowski den 1801 geborenen und 1859 gestorbenen Josef Szułdrzyński, »einen Mitarbeiter Marcinkowskis« < 8>, wie sich auf seinem Grabmal dieses Mitglied des Herrenhauses und der Landschaftsrat nennen ließ. Zahlreiche Quellenstellen ergänzen das Lebensbild.

III. Kriegs- und Heerwesen.

Prof. E. Meyer † stellt ausführlich das einstige Schützenwesen im Posener Land < 2168> von den Anfängen der Überlieferung (1537) dar. Natürlich sind die Gilden aber zum Teil älter. Die Privilegien, Entwicklung der einzelnen Gilden, die kulturgeschichtliche Bedeutung, der Übergang vom Armbrust- zum Büchsenschießen usw. werden auf urkundlicher Grundlage behandelt. Die deutschen Ursprünge ergeben sich aus den als Beispiele benannten, ins Polnische gedrungenen Bezeichnungen. -- Zwei kleine deutsche Beiträge liegen für das Heereswesen aus der südpreußischen Zeit von A. Koerth < 2229> und G. C. v. Unruh < 1073> vor. -- Einen verhältnismäßig kurzen, aber alles Wesentliche bringenden und zuverlässigen Überblick über die Grenzschutzkämpfe im Posenschen 1918/19, bei denen über 2000 deutsche Männer gefallen sind, hat der einstige Rawitscher Bürgerwehrkommandant, Oberstudienrat Dr. H. J. Schmitz in Schneidemühl < 1461>, dankenswerterweise herausgebracht. Eine ausführlichere deutsche Darstellung ist erst in Arbeit, vgl. ZP. 35, S. 261. -- Als Quellenwerk wertvoll sind die ausführlichen polnischen Lebenserinnerungen des aus dem Posenschen stammenden seinerzeitigen preußischen Obersten und späteren polnischen Generals K. v. Raszewski < 10>, die zeigen, wie die Bindung an den königlichen Dienst Zwistigkeiten mit deutschen Kameraden immer wieder überwand und


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wie das Pflichtgefühl in dem alten Offizier auch in der Umsturzzeit nach dem Weltkrieg sowie später auch im polnischen Dienst weiterwirkte, vgl. ZP. 35, S. 292--295.

IV. Landeskunde, Siedlungsgeschichte.

Einen sachkundigen Überblick über den Stand der Forschung über die Geschichte der Kulturlandschaft im alten Polen gibt Dr. E. O. Kossmann < 11>. Er weist nach, daß weder mit rein historischen noch geographischen Verfahrungsweisen auszukommen ist, und macht Vorschläge, wie man auf dem Gebiet weiterkommen kann. -- Eine polnische Arbeit von J. Masłowski über die dörfliche Siedlung zu deutschem Recht in den Wojewodschaften Sieradz, Lentschütz, Kujawien und dem Doberner Lande bis 1370 < 1828> geht uns insofern an, als in einem Teil auch die volksmäßigen Verhältnisse untersucht werden. Verf. hat nur wenige deutsche Schulzen gefunden, angeblich aber gar keinen deutschen Bauern. Neben polnischen Namen treffen wir jedoch schon viele kirchliche, über deren Volkszugehörigkeit wir nur sagen können, daß die Mode dieser Namen erst durch Deutsche nach dem Osten gekommen ist. Die Frage bedarf noch einer Nachprüfung von deutscher Seite. -- Die Anfänge der merkwürdigen deutschstämmigen, aber sprachlich verpolten »Holländer«-Siedlergruppe von Neudorf und Neubruch am Bug klärt W. Kuhn < 12> auf Grund des von ihm entdeckten Berichtes darüber in einem Sammelwerk von 1777 auf. Danach ist Neubruch erst 1617 nicht von Pommern, sondern Holländern gegründet worden. Einige der alten 14 Kolonistennamen sind noch heute vorhanden. Die sprachliche Verpolung scheint im 18. Jh. vor sich gegangen zu sein. -- Über den westlichen Netzegau, den Südteil des alten Deutsch-Croner Kreises, hat der junge Berliner Forscher Dr. W. Schulz für die zweite deutsche Ostsiedlung eine wichtige Arbeit in zwei Bänden < 1783> herausgebracht, die auf umfangreichen Quellenstudien beruht. Dabei bringt der kürzere erste Band die Darstellung und der längere zweite die Quellenstellen, zum Teil auch Kirchbuchauszüge. Die fortschreitende Verdeutschung des zunächst ganz schwach besiedelten Gebietes durch deutsch-pommersche Roder, die das Gesicht der Kulturlandschaft völlig verändern, wird für die Zeit von 1550--1772 daraus deutlich. Die Berechnungen betreffs des Deutschtums sind bisweilen etwas zu vorsichtig, und über die vorausgehende mittelalterliche Besiedlung läßt sich noch einiges aussagen, vgl. ZP. 34, S. 252 ff. Wegen der vielen Quellenangaben ist das Werk auch für die Sippenforschung wichtig. -- Das gleiche gilt für einen Aufsatz von W. Maas: 700 Jahre Posener Bauernnamen aus dem 18. Jh. < 13>, der mehr bringt als der Titel besagt; es werden nämlich darin auch verschiedene, die dörfliche Siedlung betreffende Fragen behandelt. -- Der gleiche Verf. bringt nach dem seinerzeit in ZP. 10 veröffentlichten Verzeichnis der Posener Hauländereien nunmehr ein neues < 1784>, auf über 800 Namen erweitertes mit Quellenangabe, ohne damit wohl schon alle erfaßt zu haben. Er behandelt auch ihre Verbreitung, Entstehung und das Ende der Hauländersiedlung. Ein Nachtrag nennt noch die im unteren neumärkischen Netze-Warthebruch befindlichen Hauländereien. -- Den Plan eines Oberförsters Buhrow, Kolonisten aus dem um 1790 noch zu Polen gehörenden Teil des Posener Landes anzuwerben und in die schon preußischen Ämter Postolitz und Lebehnke zu bringen, stellt A. Koerth < 14> dar. Wenn er auch nicht zustande kam, so ist der Bericht darüber doch wegen der zahlreichen


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Listen von Familien aus verschiedenen Gegenden und der Angabe ihres verfügbaren Vermögens lehrreich. -- E. Klinkowski teilt im Nachgang zu früher schon von anderen veröffentlichten »Reklameblättern« für die Werbung von Ansiedlern wieder zwei grundherrliche Erlasse für Gostin von 1775 und für Samter von 1777 mit < 1785>, die von J. Mycielski in deutscher Sprache erlassen wurden. Es ging ihm besonders um Erhöhung seiner Einkünfte durch »Kauff- und Handelsleute wie auch Professionisten«. -- Als Auszug aus einer großen, später gedruckten Arbeit bringt Dr. D. Reiser einen nützlichen Aufsatz über die deutsche Bauernsiedlung im Kalischer Land < 15>, seiner Heimat, der durch die beigegebenen Karten auch siedlungsgeographisch gut unterbaut ist, vgl. ZP. 34, S. 258. -- Die deutschen ländlichen Siedlungen des Warthegaues von Peisern bis Uniejów stellt geschichtlich und siedlungsgeographisch A. Breyer dar < 1827>, und zwar seit der Frühzeit und unter Beigabe von mehreren Kartenskizzen und Abbildungen. Eine Rolle spielte bei der Besiedlung im MA. das deutsche Kloster Land (Lond), bis zu seiner gewaltsamen Verpolung nach der Reformation. Das jetzt vorhandene Deutschtum stammt aus der letzten altpolnischen Zeit nach 1767, während die südpreußische und spätere Zeit Nachschübe brachte. Der Herkunft nach handelt es sich um Märker und Pommern. Zum Schluß werden die Weiterwanderungen dargestellt und eine Gründungsurkunde gebracht. -- Eine möglichst wenig auf die deutschen Vorarbeiten, vielmehr auf die Quellen zurückgehende Arbeit über die Siedlungstätigkeit Maria Theresias und Josephs II. in Galizien für die Jahre 1772--1790 hat H. Lepucki < 1829> vorgelegt. In manchem kommt er von alteingesessenen Vorurteilen nicht los, z. B. dem Gedanken, Österreich habe verdeutschen wollen, während nur, wie auch die Ansetzung von Angehörigen anderer Volkstümer zeigt, im Geist der Zeit eine »Peuplierung« und Gründung von Mustersiedlungen beabsichtigt war, vgl. ZP. 34, S. 258 ff. -- Die Herkunft der Ansiedler des Pfarrsprengels Hartfeld in Galizien untersucht J. Lanz < 1769>. Sie stammen meist aus verschiedenen Gegenden der Pfalz, wie an einer Kartenskizze gezeigt wird, weniger aus Baden und Württemberg. Die Wanderungen von 1783--1812 werden auch listenmäßig verfolgt. -- Aus umfangreichem Studium A. Breyers über die deutsche Tuchmacherei, deren Frucht als Buch jetzt nach seinem Tode veröffentlicht werden soll, sind zwei Teile schon als Zeitschriftenaufsätze herausgekommen, und zwar die über die zwei Jahrzehnte deutscher Tuchmachereinwanderung nach Mittelpolen 1810 bis 1820 < 1768> und über die ersten drei Jahre der darauffolgenden großen Einwanderung < 1767>. Dem ersten Teil gehen kürzere Angaben über die Zeit seit dem Mittelalter voraus. Da das Buch eine erweiterte Darstellung bringen wird, soll später darauf eingegangen werden. -- Geschichtlichen Quellenwert besitzen die erschütternden Erinnerungen des Kantors A. Krueger an den Leidensweg der deutschen Siedler in Wolhynien infolge der Verschleppung durch die Russen im Weltkrieg 1915, die unter dem Namen »Die Flüchtlinge von Wolhynien« herausgekommen sind, vgl. ZP. 35, S. 315.

V. Ortsgeschichte.

Auf Grund der lehrreichen Ausgrabungen auf der Dominsel zu Posen versucht W. Hensel in einem polnischen Zeitschriftenaufsatz die Frage der Anfälle der Stadt und ihres hauptstädtischen Gepräges zu klären < 16>. Hoffentlich können bald deutsche Grabungen in der Nachbarschaft


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der bisherigen eine Nachprüfung seiner Ansichten durchführen lassen. -- Ein ausführlicher, auf die veröffentlichten Quellen gegründeter und sie vielseitig auswertender Aufsatz von E. Meyer † behandelt Peisern im Mittelalter < 17>. Der Verf. behandelt die Geschichte der damals wichtigeren Stadt und ihre inneren Verhältnisse. Das in ihrer ersten Zeit starke Deutschtum wird an den vorkommenden Namen erwiesen. Ein beabsichtigter dritter Teil ist leider infolge des Todes des Verf.'s nicht mehr zustande gekommen. -- Zur 300-Jahrfeier der von evangelischen Schlesiern 1638 begründeten Stadt Rawitsch hat J. Kaźmierczak eine polnische Festschrift über ihre Entstehung und Entwicklung < 18> verfaßt. Den deutschen Vorarbeiten der bis 1919 fast rein deutschen Stadt wird sie nicht gerade gerecht, ebenso ist sie leider nicht frei von Gehässigkeiten gegen das Deutschtum, vgl. ZP. 35, S. 278 ff. -- Bei der tüchtigen polnischen Arbeit von L. Preibisz über Schloß und Schlüssel Reisen bei Lissa < 19> stehen die kunst- und rechtsgeschichtlichen Dinge im Vordergrund, aber auch für die Siedlungs- und Sippenforschung läßt sich allerlei daraus ersehen. »Im Schloß, das von einem italienischen Architekten nach europäischem Zuschnitt errichtet wurde, schufen ein sächsischer Baumeister und deutsche Handwerker, die aus Lissa und dem benachbarten Schlesien herangeholt wurden, die Rahmen des neuen Sitzes, mehr reich als in großer künstlerischer Höhe.« Unter den Fürsten Siełkowski war »die amtliche Verwaltungssprache die deutsche«, vgl. ZP. 35, S. 276f. -- Eine vielseitige, fleißig von dem Ortspropst L. Sobkowski und L. Krotoski < 20> geschriebene Dorfmonographie über Alt-Gostingen bei Gostingen (Gostyn) behandelt ausführlich und vielseitig seine Geschichte. Mehrere Behauptungen, die volkliche Vorurteile beweisen, werden von E. Klinkowski in der Besprechung ZP. 36, S. 294 ff. richtiggestellt. -- Nach den preußischen Indaganda von 1793 stellt der eben genannte E. Klinkowski ausführlich den damaligen Zustand Fraustadts dar < 1553>. Im Vergleich zu den meisten anderen Städten der Provinz zeigte diese alte deutsche Stadt von 4579 Einwohnern eine ansehnliche Höhe mit 6 Schulen, 3 Apotheken, 200 Tuchmachern, 3 Spitälern usw. Unter den angeblich so verdeutschenden Herrschern ist dort am Ort der Anteil der Protestanten von rund 68% auf 53,6% im Jahre 1925 zurückgegangen. -- Ein kürzeres Gegenstück zu der eben genannten Darstellung steuert A. Koerth betreffs des kleinen Städtchens Schlichtingsheim an der alten schlesischen Grenze < 21> bei. -- Ein gut ausgestattetes Buch von H. Majkowski über die Stadt Grätz im Posenschen < 22> genügt auch nach Ansichten polnischer Besprecher, die es scharf angegriffen haben, wissenschaftlichen Ansprüchen nicht, bringt aber doch eine Reihe nützlicher Angaben über den kleinen Ort. -- Der langjährige Propst der Kreisstadt Pleschen, K. Niesiołowski, hat über seinen Ort anspruchslose, aber lehrreiche Skizzen und Lebensläufe < 23>, darunter auch einige von deutschen Bewohnern, veröffentlicht, die ebenso wie das vorige Werk aber nicht mit wissenschaftlichen Maßstäben gemessen werden wollen, vgl. ZP. 35, S. 280 f.

VI. Rechts- und Verwaltungsgeschichte.

In einem erfreulich sachlichen polnischen Buch behandelt M. Niwiński die Entwicklung des Krakauer Vogteiamtes im Mittelalter < 2408>, wobei er zu Vergleichszwecken bis in die fränkische Zeit zurückgreift. Von 1257--1311 ist ein Anwachsen der Machtfülle


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des Vogtes in der Teilgebietszeit zu beobachten, doch nach dem Aufbegehren des Vogtes Albert wurden die früheren Privilegien von 1257 und 1306 aufgehoben, die Erblichkeit beseitigt, und dafür trat Abhängigkeit vom Herrscher ein. Neben ihn wird ein Landvogt gesetzt. Adel und Geistlichkeit suchen sich richterlichen Eingriffen zu entziehen. Erfreulicherweise wird auch die volkliche Herkunft der Vögte untersucht, vgl. »Deutsche Wissenschaftliche Zeitschrift im Wartheland« (abgekürzt ZW.), Heft 1. -- Z. Kędzierska behandelt die Dörfer zu deutschem Recht im Gerichtsbezirk Posen für die Jahre 1400--1434 < 24> auf Grund der alten Gerichtsbücher und des Codex Diplomaticus Maioris Poloniae. Sie weist im 13. Jh. 54, im 14. Jh. 56 und im 15. Jh. 106 Dörfer nach und behandelt die Frage sozial- und rechtsgeschichtlich, gibt auch einige deutsche Bauernnamen. -- Von einem Servisstreit in Posen aus südpreußischer Zeit berichtet H. Sommer † < 2228>. Die Frage der Einquartierungsfreiheit und Streitigkeiten des Magistrates mit den Juden werden dabei berührt. -- Die Anfänge des Chausseebaues in der Provinz Posen stellt Prof. M. Laubert dar < 1554>. Sie zeigen den üblichen Verlauf: zunächst nach 1815 ein langsames Beginnen, unter Oberpräsident Flottwell in den dreißiger Jahren einen flotteren Zug, erhöht unter Friedrich Wilhelm VI. bis zur schließlichen völligen Angleichung an die alten Provinzen. -- Eine hauptsächlich rechtsgeschichtliche polnische Arbeit von St. Weymann über die Zölle und Handelswege in Polen zur Zeit der Piasten < 25> wird hier genannt, weil das Posensche Gebiet stark mit berücksichtigt und zum Teil noch unbekannte alte deutsche Ortsnamen beigebracht werden, vgl. ZP. 35, S. 296.

VII. Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Eine gute und klare polnische Arbeit über die Finanzen der Stadt Posen im Mittelalter hat St. Paternowski < 26> herausgebracht. Leider sind die Quellen nur von dem Jahre 1462 bzw. 1492 ab erhalten, so daß die frühere Zeit nicht mit bearbeitet werden konnte, vgl. ZP. 35, S. 297 f. -- In einem polnischen Innungsgedenkbuch der Posener Baumeister < 27> hat Z. Zaleski hauptsächlich auf Grund des gedruckten Schrifttums das Mittelalter und A. Kucner die Neuzeit auch auf Grund von Akten bearbeitet, wobei die zahlreich vorkommenden Namen leider nicht durch ein Verzeichnis erschlossen werden. Sowohl bei den Maurern wie bei den Zimmerleuten stand das Deutschtum in der Zeit seit dem 18. Jh. wieder wie im Mittelalter im Vordergrunde, vgl. ZW. 1. -- Nach Beständen des Fraustädter Heimatmuseums stellt Dr. A. Kutscha einen Zwist zwischen der Fraustädter und Glogauer Bäckerzunft dar < 28>, der von 1643--1645 dauerte, nach 17 jähriger Pause auf Veranlassung der Glogauer wieder auflebte und 1663 durch Entscheidung der Breslauer Bäcker-Hauptzeche sein Ende fand. Der Streit entstand aus einer kleinen Ursache, nämlich der Weigerung der Fraustädter Gesellen, den Meistern das Brot auf den Markt zu tragen. -- Der mit einer genauen Tafel versehene Beitrag von E. Klinkowski über die Entwaldung des Gostyner Landes < 1555> gibt mehr, als die Überschrift verspricht, indem zugleich in großen Zügen nebenher die Entwicklung in der ganzen Provinz, auch an Hand des polnischen Schrifttums verfolgt wird. Es ergibt sich daraus, daß die Rodetätigkeit auch noch im vorigen Jahrhundert größer war, als gewöhnlich angenommen wird. -- Über den Weinbau und -handel in der Provinz Posen nach 1815 berichtet M. Laubert < 2497> und zeigt, daß beide Erwerbszweige meist nicht von Polen, der


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Handel vielfach von Juden betrieben wurde, wie die mitveröffentlichte Liste der Firmen beweist. -- Der gleiche unermüdliche Erforscher der Posener Provinzgeschichte schildert in einem »Beiträge zur Posener Pferdezucht unter Friedrich Wilhelm III.« überschriebenen Zeitschriftenaufsatz die staatlichen Bestrebungen < 2496>, die übernommenen elenden Pferderassen durch Errichtung eines Landesgestütes in Zirke im Jahre 1828 und Einrichtung von Remontemärkten, Einführung einer Körordnung usw. zu verbessern. Dabei wirken der Provinziallandtag, der Oberpräsident und der Kommandierende General von Grolman mit. -- Die Lage der Bauern in einem Orte des Kr. Meseritz vor der Bauernbefreiung beleuchtet nach der Verhandlungsniederschrift vom 8. 11. 1824 G. Schmidt < 2077>. Da solche Verhandlungen meist für jeden Ort vorliegen, aber nur wenige bisher veröffentlicht sind, ist dies Unternehmen dankenswert. -- Nach den Akten stellt M. Laubert die Erweiterung der Posener Landschaft vom 15. 4. 1842 dar < 2498>. Damit hatte die Preußische Regierung wieder einmal unter Zurückstellung aller politischen Gegenerwägungen in strenger Sachlichkeit und Gerechtigkeit dem polnischen Adel eine für seinen Besitzstand bei dem allgemeinen Kredithunger wichtige Wohltat erwiesen, die die auf natürlichem Wege fortschreitende Eindeutschung des Großgrundbesitzes verzögerte. -- Zur 100-Jahr-Feier des wirtschaftlichen Hauptquartiers des Posener Polentums, der Bazar AG. in Posen, hat Prof. A. M. Skałkowski eine umfangreiche und vorzüglich ausgestattete Geschichte dieser ja auch politisch hochwichtigen Unternehmung < 29> herausgebracht, wertvoll wie alle Arbeiten dieses wirklichen Wissenschaftlers. Da eine Unmenge hervorragender Namen mit dem Bazar verknüpft waren und der geschichtliche Hintergrund mit breiten Strichen gezeichnet wird, ist das stattliche Buch über sein Thema hinaus wichtig für die gesamte Geschichte der Provinz, vgl. ZP. 35, S. 300--305. -- Dem Gedächtnis eines hervorragenden deutschen Wirtschaftsführers, des früheren Verbandsdirektors Leo Wegener vom Verbande deutscher Genossenschaften in Polen und seinerzeit Vorsitzender der Historischen Gesellschaft in Posen, hat sein Nachfolger in beiden Posten, Dr. F. Swart, ein ansprechendes Gedenkbuch < 30> gewidmet, zu dem er die Einleitung beisteuerte und die Beiträge aus den Schriften und Vorträgen W.s ausgesucht hat, vgl. ZP. 35, S. 309. -- Die 1936 abgeschlossene Dissertation von W. Bloch-Posen über die deutschen Genossenschaften in Westpolen < 31> wird hier genannt, weil neben dem mitbehandelten Westpreußen, Ober- und Ostschlesien das Posensche, die Heimat des Verf.'s, stark mitberücksichtigt ist und über ein Drittel der Arbeit die geschichtliche Entwicklung bringt.

VIII. Geistes- und Kunstgeschichte.

Die von D. G. Smend veröffentlichte Handschrift »Lesna erudita Lutherana« < 2972>, die von P. M. Rutz in Lissa nach den Kirchenbüchern betr. der Lebensdaten der behandelten 66 lutherischen evangelischen Akademiker ergänzt wird, stammt von dem General-Senior Christian Sigmund Thomas in Lissa und ist 1741 begonnen. Sie zeugt wiederum ähnlich wie die von D. Th. Wotschke gebrachte Liste der Lissaer Studenten (in ZP. 19) von dem reichen Geistesleben dieser zeitweise zweitgrößten Stadt im ehemaligen Großpolen. -- Für ihre Nachbarstadt Fraustadt bringt der dortige Prof. W. Schober Erinnerungen an den berühmvoll ist die Fraustädter Steuerliste der Handwerker von 1628, die Prof. W.


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testen Sohn des Ortes, den Liederdichter Valerius Herberger < 32>, und zwar Glückwunschadressen in lateinischen Akrostichen von 1626/27 der Lateinschule und einen Brief des Militscher Superintendenten von 1608. -- C. Krajewska behandelt in einem polnischen Zeitschriftenaufsatz das Leben und Wirken des 1751 in Lautenburg geborenen und 1823 gestorbenen Geistlichen Johann Gorzyczewski, der zeitweise Rektor des Posener Gymnasiums war < 33>. -- Ein erfreulicher Beitrag zur Geschichte des deutschen Geisteseinflusses auf die Polen ist das stattliche Buch von W. Kuehne über den Grafen August Cieszkowski < 34>, einen Hegel-Schüler. Der polnische Philosoph war zugleich ein enger Freund des Berliner Professors Karl Michelet und schrieb einige seiner Hauptwerke in deutscher Sprache, besaß auch sämtliche Bücher über den deutschen Idealismus, vgl. ZW. 1. -- Den gesamten Einflüssen der deutschen Philosophie und Dichtung auf das polnische Geistesleben im 19. Jh. geht der langjährige Deutschtumsforscher M. Kage nach kürzeren früheren Beiträgen nach < 35>, wobei sich wiederum ein wirkungsvolles Bild der Stärke des deutschen Einflusses ergibt. -- Ergänzungen zu einer früheren größeren Arbeit über den Gymnasialprofessor und Pastor Johann Wilhelm Cassius, einen eifrigen Polen aus ursprünglich tschechischer Familie, bringt T. Esman < 36>, der in seinem polnischen Zeitschriftenaufsatz auch lehrreiche Beleuchtungen der Sprachenfrage in der Provinz vor 100 Jahren bringt. -- Mit Graf Lorenz Benzelstjerna-Engeström, der väterlicherseits schwedischer Abstammung war, als Mensch und unbekanntem polnischen Dichter beschäftigt sich J. T. Dybowski in einem polnischen Aufsatz < 37>. In zweien der angeführten Gedichte werden die Deutschen zur Abwechslung nicht als »Hunde«, sondern »Hammel« und »Feind-Satan« bezeichnet, und das geschah z. Z. der angeblich so rücksichtslos die Polen unterdrückenden preußischen Regierung. -- Als Gegenstück zu einer früheren deutschen Darstellung von O. Tumm in ZP. 32 über die Leistungen des Deutschen Naturwissenschaftlichen Vereins Posen anläßlich der 100-Jahr-Feier von 1937 gibt G. Brzęk eine längere Darstellung der polnischen Tätigkeit auf diesem Gebiet, besonders der Tierkunde, und zwar für die Zeit von 1793--1918 < 38>. Einige ungerechtfertigte Behauptungen werden in der Besprechung der ZW. 1 beleuchtet. -- Als Auszug einer größeren Arbeit über die italienischen Architekten des 17. Jh.'s in Posen behandelt K. Malinowski in einem polnischen Aufsatz Thomas Poncino aus Görz < 39>. Er hat etliche Bauten aufgeführt, sich aber auch durch verschiedene gerichtliche Streitigkeiten unliebsam bemerkbar gemacht. -- Die Geschichte der Bildhauerkunst, aber nur der polnischen, stellt H. Majkowski < 40> für die Zeit vor dem Weltkrieg bis zur Gegenwart in einem polnischen Zeitschriftenaufsatz dar. Unter den Künstlern fällt die große Zahl deutscher Namen auf. -- Ein stattliches Buch des früheren deutschen Wilnaer Germanisten H. Anders beschäftigt sich mit dem Posener Deutsch im MA. < 492>, und zwar zunächst mit der Phonetik, gestützt auf die Urtexte der Posener Ratsakten, obwohl schon Veröffentlichungen vorliegen. Da aus den mundartlichen Eigenarten auf die Herkunft des damaligen Deutschtums geschlossen worden war, hat das Werk auch geschichtliche Bedeutung, vgl. ZP. 34, S. 327 f. --

IX. Kirchengeschichte.

In einem ziemlich bissigen Aufsatz untersucht der polnische Gelehrte K. Buczek die Frage der ersten Bistümer in Polen < 2679>,


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über die schon viel geschrieben worden ist. Gegen das Buch von G. Sappok »Die Anfänge des Bistums Posen« <1937, 2344>, sucht er die Nichtabhängigkeit Posens von Magdeburg zu verteidigen und die Glaubwürdigkeit des deutschen Chronisten Thietmar zu erschüttern, macht sich nicht sehr glückliche Gedanken über die Stelle der Annales Hildesheimenses »septem episcopia disposuit« betr. Ottos III. im Jahre 1000, wobei er mit Recht Z. Wojciechowskis Behauptung von der überragenden Größe Polens gegenüber den anderen Staaten unter den Slawen angreift, vgl. ZW. 1. -- In einem auch als erste und wohl einzige der geplanten Veröffentlichungen »Publications du Centre franco-polonais de recherches historiques de Cracovie« in Paris 1939 erschienenen, in Aufsatzfolgen in den beiden Jahren vorher zuerst herausgekommenen Buch untersucht der polnische Prof. P. David die Rolle der Benediktiner und des Ordens von Cluny im ma.'lichen Polen < 2678> und darüber hinaus die des französischen Einflusses. Dabei nimmt er wohl etwas großzügig auch westdeutsche Mönche für das Franzosentum in Anspruch. Sonst aber ist seine Darstellung vorsichtig und entscheidet häufig nicht selbst, sondern beruft sich auf andere polnische Forscher, vgl. ZW. 1.--. Mit der ersten Bewidmung des Klosters Priment im Jahre 1210 befaßt sich nach manchen Vorgängern J. Frieske in einem polnischen Aufsatz < 41>. 1210 wird bekanntlich erstmalig das deutsche Recht in dem Gebiet erwähnt. Der Verf. untersucht besonders die Ursache des Nichtzustandekommens der Gründung in Auseinandersetzung mit anderen und weist auf die geringe Rolle der ackerbautreibenden Bevölkerung gegenüber anderen Berufen vor der deutschen Siedlung hin. -- Aus dem polnischen Buche von W. Klimkiewicz über die Wahl des Nuntius M. Graf Ledóchowski für den erzbischöflichen Stuhl von Gnesen und Posen im Jahre 1865 < 2706> hat Domherr Dr. A. Steuer in ZP. 36, S. 115--126 einen ausführlicheren deutschen Auszug mit eigenen Bemerkungen gebracht, auf den hier der Kürze halber verwiesen werden kann. -- Über die evangelische Kirchengeschichte Fraustadts ist schon allerlei veröffentlicht worden. Nach Aufzählung dieser Werke gibt T. Wotschke noch Analekten dazu < 2796>, u. z. 2 Briefe Herzog Albrechts an den Fraustädter Hauptmann und den König, ferner einen an den Königl. Sekretär Johann Dolski, Kastellan von Holm. -- R. Klatt behandelt nach früheren ganz kurzen Darstellungen die Kirchengesangbücher der deutsch-lutherischen Siedler Mittelpolens < 42>, und zwar erst die aus der alten Heimat mitgebrachten, die zugleich ein Hinweis auf die Herkunft der Siedler sind, und dann das sogenannte »Warschauer Gesangbuch« und seine Schicksale. -- Ein von Prof. F. Siegmund-Schultze herausgegebenes Sammelwerk von Selbstdarstellungen über die evangelischen Kirchen in Polen < 44> gehört hierher, weil gerade bei den größten Kirchen die Mehrzahl der Bekenner deutsch ist. Zu den von polnischen Bearbeitern beigesteuerten Teilen und zur Vorrede des Herausgebers vgl. einige Einwendungen in ZP. 34, S. 323 ff. --

X. Sippenforschung.

A. Lattermann hat seine »Einführung in die deutsche Sippenforschung in Polen«, diesmal auch: »-- und im Preuß. Osten« zubenannt < 1868>, in 2., auf das Doppelte erweiterter Auflage herausgebracht. Neben vermehrten Winken, Angaben von Hilfswerken, Forscheranschriften sind vor allem nunmehr Verzeichnisse der Kirchenbücher fast aller evangelischen Kirchen in Polen beigegeben. -- Hauptsächlich familiengeschichtlich wertden


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Schober < 45> herausgegeben hat, weil er zugleich viele Anmerkungen nach Kirchenbüchern über das weitere Leben und die Verwandtschaft der genannten Handwerker beigegeben hat. -- Da die Lissaer lutherischen Kirchenbücher der älteren Zeit verbrannt sind, sind dem Sippenforscher auch die 45 Geburtsbriefe des 17. und 18. Jh.'s von dort willkommen, die der gleiche Verfasser < 46> veröffentlicht und ebenso wie die vorhin genannte Steuerliste ergänzt hat. Leider geben die Geburtsbücher außer dem »Briefeszeiger« und den Eltern nur noch den Großvater mütterlicherseits an. -- Das seit dem 13. Jh. schlesisch besiedelte Fraustädter Ländchen hat eine Reihe alter Schöffenbücher überkommen, die jetzt im Staatsarchiv Breslau liegen. Die beiden des Dorfes Gurschen, die im Vergleich zu anderen verhältnismäßig jung sind und die Jahre 1361--1624 umfassen, hat H. Gumtau durchgearbeitet und gibt ihren Inhalt nach hauptsächlich genealogischen Gesichtspunkten an < 47>. -- Über die nach dem alten Polen, besonders Großpolen und das ebengenannte Fraustädter Ländchen gekommenen Zweige des alten deutschen Adelsgeschlechtes der Schlichting hat der polnische Genealoge W. Dworzaczek ein ansprechendes Buch < 48> verfaßt, das viele Quellen auswertet, aber ausdrücklich nicht auf Vollständigkeit Anspruch erhebt. In bezug auf Fragen des Volkstums ist es sachlich. Lehrreich ist, daß auch diese Familie zeitweise verpolt war und dann in dem Schlichtingsheimer Zweig wieder dem Deutschtum zurückgewonnen worden ist, vgl. ZP. 35, S. 287 f. -- Der an den Folgen der polnischen Verschleppung verstorbene Dr. E. v. Behrens- Bromberg hat die deutschen Familiennamen in mehreren Listen zusammengestellt, die er in den polnischen Adelsbüchern für das 18. u. 19. Jh., den russischen Adelsverzeichnissen und den galizischen Registern von 1772--1920 gefunden hat < 518>, zusammen über 2500 Namen, was allein von der Bedeutung dieses deutschen Adels im Osten zeugt. Dabei sind die im Baltikum verbliebenen Familien nicht mit behandelt. Die Genannten sind überwiegend erst geadelt worden. Wichtig ist, daß auch die jüdischen Familien gesondert genannt werden. In der Umschreibung der Namen aus den russischen Werken hat Verf. nicht immer die richtige Schreibung getroffen, vgl. ZW. 1. --

1 Wojtkowski, A.: Bibliografia historii miasta Poznania (Bücherkunde der Geschichte der Stadt Posen). -- Posen, Towarzystwo miłośników historii. 8, 144 S.

2 Kaczmarczyk, Z.: Stanowiska Kazimierza Wielkiego wobec Poznania (Die Stellungnahme Kasimirs d. Gr. gegenüber Posen). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 253--263.

3 Lendl, E.: Die Bedeutung der deutschen Volksinseln im Osten für den Auf- und Ausbau fremder Volksböden. In: Dt. Monatshefte in Polen, Jg. 5, S. 159--167.

4 Galizien. In: Handwörterb. des Grenz- u. Auslanddeutschtums, hrsg. v. C. Petersen, P. H. Ruth, H. Schwalm. Bd. III, Lief. 1, S. 1--47.

5 Doubek, F.: Die zahlenmäßige Verbreitung des Deutschtums in Mittelpolen. In: Jomsburg, Jg. 2, S. 380 f., 1 Kt.

6 Breyer, A.: Das Deutschtum in Mittelpolen. Bemerkungen zu der anliegenden Karte. In: Jomsburg, Jg. 2, S. 74--77.

7 Klose, A.: Deutsche Komponisten, Musiker und Musikgelehrte in Polen und ihr Einfluß auf das polnische Musikleben. In: Dt. Monatsh. Polen, Jg. 4, S. 451--475.



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8 Skałkowski, A.: Współpracownik Marcinkowskiego (Ein Mitarbeiter Marcinkowskis). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 1--39.

9 Karasek-Langer, A., u. Strzygowski, E.: Sagen der Deutschen in Wolhynien und Polesien. Mit Zeichnungen von Fr. Kunitzer. -- Posen, Hist. Ges. f. Posen, Leipzig, Hirzel. LXXXVI, 302 S., 1 Kt. (Ostdt. Heimatbd. 5).

10 Raszewski, K. v.: Wspomnienia z własnych przeżyć (Erinnerungen aus den eigenen Erlebnissen bis Ende 1920). -- Posen, J. Liczbiński. 367 S., 38 Skizzen, 4 Abb.

11 Kossmann, E. O.: Zur Geschichte der polnischen Kulturlandschaft. In: Dt. Monatshh. Polen, Jg. 4, S. 489--500.

12 Kuhn, W.: Die Anfänge von Neudorf am Bug. In: Dt. Monatshh. Polen, Jg. 4, S. 538--544.

13 Maas, W.: 700 Jahre Posener Bauernnamen aus dem 18. Jh. In: Dt. Monatshh. Polen, Jg. 4, S. 332--347.

14 Koerth, A.: Ein Umsiedlungsplan von 1790. In: Dt. wiss. Zs. f. Polen, H. 35, S. 131--141.

15 Reiser, D.: Dt. Bauernsiedlung im Kalischer Land. In: Petermanns geogr. Mittlgn., H. 3, 2 Kt.

16 Hensel, W.: Zagadnienie początków Poznania i kwestia jego stołecznego charakteru w świetle wyników prac wykopaliskowych na Ostrowie Tumskim (Die Frage der Anfänge Posens und seines hauptstädtischen Gepräges im Licht der Ausgrabungen auf der Dominsel). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 484--507, 10 Abb.

17 Meyer, E.: Peisern im MA. (bis 1400). Ein Beitrag zur Geschichte des Städtewesens in Großpolen. In: Dt. wiss. Z. f. Polen, H. 34, S. 127--174.

18 Kaźmierczak, J.: Rawicz, Gród Przyjemskich (Rawitsch, der Sitz der Przyjemski). -- Warschau, Instytut kultury historycznej. 62 S., 10 Taf.

19 Preibisz, L.: Zamek i klucz rydzyński (Schloß und Schlüssel Reisen). -- Reisen, Fundacja Sułkowskich. 140 S., 25 Abb.

20 Sobkowski, Š. L. u. Krotoski, L.: Stary Gostyń (Alt-Gostingen). -- Posen, Towarzystwo Miłośników Historii. 169 S.

21 Koerth, A.: Schlichtingsheim in südpreußischer Zeit. In: Quellen u. Forschgn. zur Heimatkunde des Fraustädter Ländchens, H. 3, S. 57--61.

22 Majkowski, H.: Grodzisk wielkopolski (Grätz in Posen). -- Posen, St. Dippel.

23 Niesiołowski, K.: Szkice i sylwetki z przeszłości Pleszewa (Skizzen und Schattenrisse aus der Geschichte von Pleschen). -- Pleschen, Selbstverl., 120 S., 38 Abb.

24 Kędzierska, Z.: Wsie na prawie niemieckim w powiecie sądowym poznańskim w latach 1400--1434 (Dörfer zu dt. Recht im Gerichtskreis Posen in den J. ...). In: Roczniki historyczne, Jg. 14, S. 48--65.

25 Weymann, St.: Cła i drogi handlowe w Polsce piastowskiej (Zölle und Handelswege in Polen z. Z. der Piasten). -- Posen, Towarzystwo Przyjaciół Nauk. 144 S., 1 Kt.

26 Paternowski, St.: Finanse miasta Poznania w wiekach średnich (Die Finanzen der Stadt Posen im MA.). -- Posen 1937, Towarzystwo Przyjaciół Nauk. 107 S. (Prace Komisii Historycznej XI, 1).

27 Z dziejów budowniczych poznańskich (Aus der Geschichte der Posener Baumeister). -- Posen, Korporacia Budowniczych poznańskich »Strzecha« (Selbstverl. der Innung). 194 S., mit Abb.

28 Kutscha, A.: Ein Zwist zwischen der Fraustädter und Glogauer Bäckerzunft im 17. Jh. In: Quellen und Forschungen zur Heimatkde. des Fraustädter Ländchens, H. 3, S. 71--102.



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29 Skałkowski, A. M.: Bazar poznański (Der Posener Basar. Ein Abriß 100jähriger Gesch.). -- Posen, Bazar Sp. Akc. 420 S., 171 Abb., 5 Taf. u. 6 Pläne. gr. 8.

30 Aus Leo Wegeners Lebensarbeit. -- Posen, Verb. dt. Genossenschaften. 282 S., 1 Abb.

31 Bloch, W.: Die dt. Genossenschaften in Westpolen. -- Diss. (Staatswiss.) Freiburg i. Br., Selbstverl., Posen. 159 S.

32 Schober, W.: Erinnerungen an Valerius Herberger. In: Quellen u. Forschgn. zur Heimatkunde des Fraustädter Ländchens, H. 3, S. 65--70.

33 Krajewska, C.: Ze studiów nad życiem i twórczością X. Jana Gorzyczewskiego (Studien zum Leben und Wirken Joh. Gorzyczewskis). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 109--142.

34 Kuehne, W.: Graf August Cieszkowski, ein Schüler Hegels und des dt. Geistes. -- Leipzig, Harassowitz in Komm. XI, 454 S. (Veröffentl. des Slawischen Inst. an der Friedr.-Wilh.-Univ. Berlin. H. 20).

35 Kage, M.: Einflüsse deutscher Philosophie und Dichtung auf das poln. Geistesleben im 19. Jh. In: Dt. Monatshh. in Polen, Jg. 5, S. 179--192.

36 Esman, T.: Uzupełnienie życiorysu Jana Wilhelma Kassyusza (Ergänzungen zum Lebensbilde von Joh. Wilh. Cassius). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 186--199.

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38 Brzęk, G.: Historia polskiego ruchu naukowo-przyrodniczego, ze szczególnym uwzględnieniu zoologii, w Wielkopolsce, a zwłaszcza w Poznaniu w czasach zaborczych (Gesch. des naturwiss. Lebens, besonders der Tierkunde, im Posenschen, vor allem in Posen, in der preußischen Zeit). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 405--465.

39 Malinowski, K.: Tomasz Poncino architekt XVII w. (Thomas P., ein Architekt des 17. Jh.). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 143--173.

40 Majkowski, H.: O sztuce plastycznej w Poznaniu w czasach poprzedzających wojnę światową aż po dzień dziesiejszy (Über die Bildhauerkunst in Posen in den Zeiten vor dem Weltkrieg bis zur Gegenwart). In: Kronika Miasta Poznania, Jg. 16, S. 200--220.

41 Frieske, J.: Pierwsza fundacia klastoru w Przemęcie z. r. 1210 (Die erste Bewidmung des Klosters Priment im J. 1210). In: Roczniki historyczne, Jg. 14, S. 28--47.

42 Klatt, R.: Die Kirchengesangbücher der dt.-luth. Siedler Mittelpolens. In Dt. Monatshh. in Polen, Jg. 4, S. 549--560.

43 Radke, J.: Gesch. der dt. evangelischen Gemeinde Bredtheim 1881 bis 1938. -- Stanislau, Druck L. Dankiewicz. 38 S., 1 Taf.

44 Die evangelische Kirche in Polen. -- Leipzig, L. Klotz. 274 S. (Ecclesia Bd. V. 21. Lief. des Gesamtwerkes).

45 Schober, W.: Eine Fraustädter Steuerliste aus d. J. 1628. In: Quellen u. Forschgn. zur Heimatkunde des Fraust. Ländchens, H. 3, S. 103--150.

46 Schober, W.: Lissaer Geburtsbriefe des 17. u. 18. Jh.'s. In: Dt. wiss. Z. f. Polen, H. 35, S. 161--171.

47 Gumtau, H.: Die Schöffenbücher des Dorfes Gurschen, Kr. Fraustadt. In: Quellen u. Forschgn. zur Heimatkde. des Fraust. Ländchens, H. 3, S. 49--60.

48 Dworzaczek, W.: Schlichtingowie w Polsce (Die Schlichting in Polen). Warschau, Gebethner i Wolff. 157 S., 14 Abb.., 1 Taf.


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