Turfanforschung

Die Anfänge...

die-entdecker Von 1902 bis 1914 haben vier deutsche Expeditionen in Chinesisch-Turkestan (heute Uigurisches Autonomes Gebiet Xinjiang, VR China) hauptsächlich in den Oasen von Turfan und Kızıl unzählige Texte in einer Vielzahl von Schriften und Sprachen geborgen und nach Berlin gebracht.

Die Texte wurden 1912 der Preußischen Akademie der Wissenschaften zur Bearbeitung überlassen; sie befinden sich heute als Depositum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz.

Bei der Entzifferung traten damals noch unbekannte Sprachen hervor: z.B. Tocharisch, die iranischen Sprachen Sogdisch, Sakisch und Parthisch, verschiedene Formen des Alttürkischen sowie umfangreiches Material in Chinesisch, Sanskrit, Tibetisch, Mongolisch nebst anderen Sprachen. Die ältesten Zeugnisse stammen aus dem 2. Jh. nach Christus, die jüngsten aus dem 14. Jh. Sie sind vornehmlich religiösen Inhalts (buddhistisch, manichäisch, christlich); weltliche Texte (Verträge, Dokumente, Briefe) sind vor allem auf Alttürkisch erhalten.


Die vereinigte zweite und dritte deutsche Expedition. Mittelreihe von rechts nach links: v. Le Coq, Grünwedel, Bartus, Pohrt.

Landkarte Die Turfanoase an der Seidenstraße

Die an der antiken Seidenstraße gelegene Turfanoase ist geprägt von einem reichen kulturellen Austausch zwischen Ost und West. Dies lässt sich besonders gut auf sprachlichem Gebiet verfolgen: Die christliche Gemeinde in Bulayık verwendete syrische, mittelpersische, sogdische und türkische Texte.

Die buddhistische Literatur der Uiguren und Sogder besteht vorwiegend aus Übersetzungen aus dem Chinesischen; einzelne Werke gehen auf eine tocharische Version zurück; uigurische Texte aus der Mongolenzeit haben bisweilen eine tibetische Vorlage. Für die manichäische Gemeinde in Turfan waren Mittelpersisch und Parthisch Kirchensprachen, daneben gab es eine reiche Literatur auf Sogdisch und Türkisch.


Ostturkistan. Textfundstätten (Karte oben links: Verlauf der Seidenstraßen).

Handschrift Die Forschung

Die Arbeitsstelle Turfanforschung beschäftigt sich ausschließlich mit den alttürkischen (altuigurischen) und mitteliranischen (vor allem mittelpersischen, parthischen und sogdischen) Funden. Diese Texte werden in Editionen zugänglich gemacht, wobei eine der Hauptaufgaben darin besteht, aus der Vielzahl der Fragmente Werke zusammen zu stellen.

Die Edition besteht aus einer diplomatischen Textausgabe, begleitet von einer Übersetzung, einem Kommentar und einem vollständigen Glossar. Die Vorgehensweise richtet sich danach, ob eine anderssprachige Vorlage zu dem zu edierenden Text ausfindig gemacht werden kann.

Bei alttürkischen buddhistischen Texten ist dies in vielen Fällen möglich, da diese in der Mehrzahl aus dem Chinesischen übersetzt wurden. Die Identifizierung und genaue Lokalisierung der uigurischen Fragmente der Sammlung wird dadurch erheblich erleichtert. Auch die iranischen Texte sind größtenteils Übersetzungen (z.B. christliche und buddhistische Texte). Im Falle der manichäischen Literatur kann dies ebenfalls angenommen werden, da aber die Vorlage in der Regel nicht existiert, müssen die Fragmente nach inhaltlichen Kriterien zusammengestellt werden. Dies bedeutet aber auch, dass den iranischen Übersetzungen ein hoher Wert als Zeugnisse der untergegangenen manichäischen Religion zukommt.


Mittelpersischer Text M 556 recto.

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